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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 6. April

Euphelia fühlt sich seit Wochen wie auf einem Jahrmarkt. Sie sitzt in Connys Gedankenkarussell, fest angeschnallt. Jedes Mal, wenn sie aussteigen will, geht es in rasender Fahrt weiter. Mal in einer Achterbahn, mal in einem rasselnden Kettenkarussell, doch meistens auf einer einfarbigen tristen Gondel in einem Riesenrad. Immer, wenn sie am höchsten Punkt den Ausweg für sich und damit das Ende von Connys Gedankenlabyrinth entdeckt, geht es schon wieder bergab. Nie nach vorne oder nach hinten, immer rundherum. Kein Aussteigen möglich. Fahrt beginnt von vorne. Auf der gleichen Strecke. „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Doch heute ist Euphelia an einem Tiefpunkt einfach ohne nachzudenken abgesprungen. Kein Zögern, kein Zaudern. Mut? Oder war ihr einfach nur schlecht? Egal. Manchmal ist es eben egal, warum etwas getan wird. Kein Zögern, kein Zaudern, einfach machen. Mit Abstand um die Ecke gucken. Den kalten Wind im Gesicht spüren. Tief Luft holen. Rücken gerade. Euphelia fleht Conny förmlich an. Bitte, Conny, tief Luft holen, Kopf hoch, Rücken gerade, Spiegelbild anlächeln. Bitte!!!! Und da, Euphelia kann es kaum fassen. Ganz zaghaft, wie aus einem langen Traum erwachend, schaut Conny sie an. Lächelt. Hebt den Kopf mit dem Blick weit über die Hügel in die Ferne gerichtet. Das Karussell hält an. Und, und, und …Euphelia ist ganz aufgeregt. Sie atmet einen großen Schlürf Tinte, steht in ihrem silbernen Füßlein angespannt und bereit für das erste Wort. Da hebt sich auch der Schleier vor Connys Augen. Euphelia denkt kurz an Ronja, die Räubertochter. Käme jetzt von Conny der Frühlingsschrei aus vollem Halse, es würde sie nicht wundern. Doch es kommt ein ganz, ganz tiefer Seufzer von so weit innen her. Tränen fließen über ihr Lächeln, kaum zu stoppen.

Und da ist es endlich in bunten wunderschönen Farben, strahlend hell: Das Bild der Zielgeraden in Conny drinnen vor ihrem inneren Auge. Heute hört Conny keine Nachrichten mehr, sie konzentriert sich auf dieses Gemälde. Seit Wochen sah sie kein klares Bild vor sich für die nahe und ferne Zukunft. Ausstellung der Visionen geschlossen. Doch heute ist ein MuseumsTag. Euphelia strahlt. Noch ist es zwar nicht das klare Bild nach dem SchlüsselTag. Kein Wunder, denn Termin und notwendige Maßnahmen sind komplett unbekannt. Doch das Bild einer langen breiten Straße, geradeaus, bunt gesäumt am Wegesrand sieht sie deutlich vor sich. Heute will sich Conny nicht umblicken nach hinten auf den gewundenen, holperigen, steinigen Pfad, der in den letzten Monaten hinter ihr liegt. Sie heftet den Blick auf die Zielgerade, als bedeute es ihr Leben – und ein bißchen ist es ja auch so. Noch sind keine Schilder für die Abzweigungen, für die Etappenziele zu erkennen. Doch mit dem ersten aktiven Schritt auf dieser zauberhaften Allee wird sie ein Ziel nach dem anderen entdecken. In diesem Moment fällt ihr die schöne Pflasterung des Weges auf. Es ist ein leuchtend gelber Steinweg. Conny setzt sich zu Euphelia an den Tisch. Beide sind bereit.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 28. Januar – nachts

Euphelia hat zwar noch immer einen verfrorenen Fuß und Kälte bis in die Federspitzen, doch das war dieses Abenteuer allemal wert.

Die erste Vollmondlesung in diesem Jahr entführte sie zur Prinzessin Insomnia nach Zamonien. Also, ehrlich, was die so hat an Krankheiten, das will man ja wirklich nicht haben. Da geht es uns richtig gut. Oh, doch der Reisebegleiter Andreas Fröhlich – na, mit dem würde Euphelia quer durch Zamonien reisen, keine Strecke ist zu weit. Ach, denkt Euphelia, wie gut, daß Torsten immer zur Stelle ist, wenn die Ideen in Conny’s Kopf Karussell fahren. Was hatten die beiden für einen Spaß am Feuer mit ihren eulenden Gästen auf den Baumstämmen und dem Andreas Fröhlich in der Konserve. Und wie wunderbar, daß so viele Gäste und die Mitarbeiter den gleichen Mond angeschaut haben. Danke an alle, die diesen Abend ebenso geliebt haben.

Euphelia war anschließend dabei, als das Frauenzimmer (Frau Conny) in ihrem Frauenzimmer (Zimmer Amalia) die nächsten Bücher sortierte. Das System kann wohl niemand außer sie selbst verstehen. Der SUB (Stapel unter dem Bett) wächst derart, daß das Bett in einer Art Schwebezustand verharrt. Wann will sie das alles lesen, kratzt sich Euphelia mit ihrer Federspitze hinter ihrem Federpuschelöhrchen. Und dann schreibt sie auch noch, und putzt, und räumt, und systematisiert an allen Ecken und Enden ihre Bücher neu – die findet sie niemals wieder, und sie strickt, und bäckt Brot, und kocht, und plant, und telefoniert, und denkt. Ja, das kostet immer wieder viel Zeit. Sie denkt.

Doch Conny sammelt die Buchempfehlungen, liest nachts, bis die Wimpern klimpern, wird wach, wenn Torstens Kaffee sie in der Nase kitzelt. Euphelia hofft so sehr, daß sie in den nächsten Tagen berichten darf, wie die Bücher heißen, die sich da unter dem Bett ansammeln und wohin diese in das Bookoholiker-Empfehlungsregal kommen, und ob sie wohl das System erklärt bekommt, wenn Conny es dann selbst verstanden hat.

Doch heute nacht gibt es nur noch drei wichtige Dinge:

Mond anlächeln – Fuß aufwärmen – in Erinnerungen an den Abend schwelgen.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 11. Januar

Euphelia freut sich so sehr über die ersten Empfehlungen. Lydia schwärmt von ihrem Leseerlebnis „Der Gesang der Flußkrebse“ von Delia Owens. Heike aus Köthen fand die Lektüre von „Dieser wunderbare blaue Himmel“ von Xavier de Moulins ergreifend. Da kann Conny sich echt anschließen. Ergreifend, schonungslos und erschreckend. Und doch liebevoll und zuversichtlich. Was für eine Achterbahn der Gefühle. Heike aus Berlin hat vor einiger Zeit Conny den Rat gegeben, unbedingt zu lesen: „Sibiriens vergessene Klaviere“ von Sophy Roberts. Dieses liegt jetzt bei Conny unter dem Bett. Die Neugier darauf ist sehr groß. Doch an dieser Stelle möchte Conny einfach mal betonen, daß sie sich für diese empfohlenen Bücher aus diesem Kreise, die ein besonderes Regal im WortReich bekommen, eine Buchhandlung vor Ort ausgesucht hat. Sie wird alle diese Bücher einkaufen in der Buchhandlung Weidemann. Im Moment natürlich online. Doch das funktioniert hier ebenfalls wunderbar. Diese Buchhandlung befindet sich in der Fachhochschule in Güstrow und wird privat betrieben. Hier hat Conny gemeinsam mit Torsten studiert. Die Entscheidung lag einfach sehr nahe. Vielleicht findet oder habt auch Ihr einen Buchhändler vor Ort. Sicher habt Ihr schon längst. Euphelia freut sich jedenfalls auf den weiteren Austausch mit wilden Lesewesen.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 9. Januar

Euphelia hängt noch immer an Connys Lippen. Soviel hat ihr Conny schon seit Monaten nicht mehr vorgelesen. Doch Euphelia konnte heute nicht genug bekommen. Wenn doch bloß erst wieder die Vorleseabende regelmäßig stattfinden. Conny hat mit nach ihrer Meinung zwei literarischen Volltreffern das Jahr begonnen. Sprachliche Hochleistungen, themenreich und zum Hineintauchen spannend bis zum Schluß. Wenn auch die persönlichen Treffen aller Lesewesen hier im Bücherhotel gerade pausieren, so kann man sich vielleicht auf diesem Wege über so manch ein bibliophiles Erlebnis austauschen. Conny wird für diese Empfehlungen ein spezielles Regal in ihrem WortReich einrichten. Außerdem werden diese Bücher die Grundlage sein für ihre romantischen, anregenden und spannenden Vorleseabende. Vielleicht können die Buchlinge auf diese Weise bereits ein wenig zusammenrücken, miteinander verreisen auf dem Sofa. Kennt jemand eines dieser beiden Bücher? Conny taucht aus beiden gar nicht richtig auf.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 3. Januar

Euphelia hört es schon an ihrem Gang, sieht es in ihrem Blick, spürt es, als könne sie ihren Gedanken lauschen. Conny ist wieder an Bord.

Vielleicht waren es die letzten beiden Wochen. Allein zu viert haben sie Stunden, Feste und ein Zuhause erlebt, wie noch niemals zuvor. Wohl auch nie wieder. Da gab es entsprechend der Bestimmungen einen kurzen liebevollen Besuch in Stralsund bei der großen Tochter und den Eltern, doch ansonsten waren es vierzehn Tage zu viert mit Gesprächen, Spielen, Kochen, Lesen und Lachen.

Vielleicht brauchte Conny diese Zeit und auch die dunklen Wochen davor, um ihren Weg wieder vor sich zu sehen, um ihre Landkarte zu navigieren und sich auf Kurs zu bringen, um Bilder zu sehen und  diesen Farbe zu geben. Sie erkannte, daß es besser war, leeren Raum in sich zu lassen, sich eine Weile ganz in sich zurückzuziehen, statt leere Räume mit Falschem zu füllen. Es begann mit einem Rückblick. Doch bald merkte Conny, daß der Blick auf Möglichkeiten ebenso wichtig ist, wie der auf Erreichtes. Diese Möglichkeiten mußten in ihrem Herzen und Verstand wachsen. Täglich suchte sie nach einem Ausweg aus diesem neuen Alltag, dem sie sich nicht ergeben wollte. Geht nicht, gibt‘s nicht, so kennt sie jeder. Doch diesmal lag es nicht in ihrer Macht, einen Tunnel zu graben.

Plötzlich, bei einem Tischtennisturnier zu viert, mitten in einem Lachanfall, entdeckte Conny die Tür. Sie spürte die sportliche Bewegung, nahm bewußt wahr, wie gut Körper und Geist funktionieren, wie das Lachen durch den Bauch sprudelt und sah die Tür. Es bedurfte gar keines Tunnels. Es war ganz einfach. Dem Alltag kann sie nicht entfliehen, doch sie kann jeden Tag etwas tun, was diesen Tag weniger alltäglich sein läßt. Sie muß den Blick auf das richten, was sie hat und nicht auf das Fehlende. Conny achtet endlich wieder auf die Qualität ihrer Gedanken. Denn die Art und Weise, wie wir denken, formt unsere Worte und unser Handeln. Nach Wochen des Rückblicks wird Conny nun die Möglichkeiten ausloten und auf Gelegenheiten schauen, um ihre neuen Bilder in Farbe zum Leben zu erwecken. Conny hat das große Glück den Ort gefunden zu haben, der zu ihr paßt, ihrem Leben den erfüllenden Sinn gibt. Nun muß sie lediglich wieder lernen, bewußt die kleinen Wunder der kleinen Momente zu erkennen. Insofern war vielleicht das letzte Jahr der Beginn eines neuen Abschnittes in ihrem Leben. Er gab ihr den Anstoß, vieles loszulassen, zu vergeben, sich die Ruhe für sich selbst zu nehmen, Erkenntnisse reifen zu lassen und gab ihrer Seele Freiraum, damit neue vielfarbige Visionen entstehen konnten. Ihre Familie, ihre Gutshotelfamilie und ihre Gäste haben sie dabei voller Verständnis, voller Großmut und Vertrauen begleitet. Conny spürt tiefe Dankbarkeit dafür und gleichzeitig eine neue große Kraft in sich, verbunden mit der Ruhe, mit sich selbst im Reinen zu sein.

Noch weiß niemand, wie die nächsten Wochen verlaufen werden. Doch Conny wird vorbereitet sein, wenn der Schlüssel wieder alle Türen im Gutshotel öffnen darf. Sie hat das Jahr 2021 benannt als das Groß Breesener Jahr der Improvisation. Und genau diese Stärke wird sie in diesem Jahr ins Spiel bringen, wie den Schmetterball beim Tischtennis. Conny hat sich Kraft geholt beim Film „The greatest Showman“, bei den vielen Gesprächen mit ihren drei Kindern und ihren Eltern, bei dem innigen Zusammenhalt mit ihrem Groten. Nun scharrt sie mit der Hufe und schmeißt sich ins Rennen.

Heute fuhr das Auto mit den beiden „Kindern“ vom Hof. Maxi bringt den Bruder zurück nach Mannheim, damit sie das auf dem Herweg begonnene Hörbuch (Tribute von Panem) beenden können. Beim Einsteigen, schon ein Bein im Auto, mit einem liebevollen Blick auf uns und seine Schwester, sagte Charly „Paßt auf unser Zuhause auf!“

Besser kann man den Auftrag an uns nicht formulieren. Ja, diesen Auftrag nehmen wir an und erfüllen ihn für alle, die diesen zauberhaften Ort als ein kleines und großes Zuhause betrachten.

Versprochen aus tiefstem Herzen!