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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 21. April

Euphelia möchte sich konzentrieren. Sie hat sich in Connys Frauenzimmer zurückgezogen, denn dazu ist es ja da.

Das Fenster hat sie geöffnet. Doch schon lenkt sie das Durcheinander der frühlingshaften Stimmen draußen ab. Dazu der einzigartige Komplex der unterschiedlichsten Gerüche dieser Jahreszeit. Und dieser Ausblick: Sie bemerkt erst jetzt so ganz deutlich, wie plötzlich sich bereits die zarten grünen Blätter der Kastanien vom lauen Wind wiegen lassen. Eben waren es noch Knospen. Euphelia hat den Plopp wieder mal nicht gehört. Im letzten Jahr hatte sie es sich fest vorgenommen: Sie wollte unbedingt eine Knospe ploppen hören und das frische Grün wachsen sehen. Da waren sie sogar noch alleine auf dem Hof. Trotzdem hat die Kastanie ihre Arbeit still und heimlich verrichtet. Wenn sie auf den Fliederbusch schaut, so hat sie das Gefühl, sie kann die Blüten bereits riechen, so zart das Lila an den Spitzen. Der Chor in den Bäumen wird jeden Tag größer und übertönt das gleichförmige Gurren der Tauben. Euphelia ist glücklich über ihre Insel.

So gern möchte sie viel mehr über das Leben und Treiben hier schreiben. Doch ihr Platz ist der Schreibtisch „Zwischen den Zeilen“. Ihr Takt wird vorgegeben vom Klappen der Tür am Eingang – rein und raus. Und zum Glück ist dies seit Wochen kein langsamer Walzer mehr, sondern immer häufiger eine fröhliche Samba. Wenn Euphelia sich das erste Wort für gestern oder vorgestern überlegt hat, dann ist der neue Satz von heute schon wieder so lebendig, daß er sie ganz und gar beschäftigt. Dabei sind sie hier im Haus irgendwie ständig so vielfältig beschäftigt, denkt Euphelia, daß sie eigentlich immer wieder staunt, wie diese Gutshotelfamilie mit 24 Stunden am Tag auskommt.

Endlich möchte sie jedoch heute Danke sagen an alle, die so lieb der Gutshotelfamilie zu Ostern gute Wünsche überbrachten. Danke für dieses Wohlwollen, für das Interesse an diesem Ort und danke, daß Ihr allen Mitarbeitern so den Rücken stärkt und dem Bücherhotel treu seid. Das gibt sooooo viel Kraft!!!!


Gerade heute ist junges Leben und Denken und Diskutieren im Gesellschaftszimmer zu vernehmen. Vor einer Woche noch eingeräumt für Spiele, Lesemomente und Tischtennis, heute für eine Tagung. Ostern ist kaum vorüber, nun sind die Zimmer wieder neu belegt. Es waren herrliche Feiertage. Conny war sehr aufgeregt vorher. Zwei Jahre war Ostern in einem leeren Haus einfach so vorüber gegangen. Als im letzten Jahr Conny mit einem einzigen DekoHasen in der Hand erschien, antwortete Torsten ihr „Aber das reicht dann auch.“ Ja, in der Tat liebt Conny die Weihnachtswelt weit mehr als die aufgehängten Hasen und bunten Eier. Doch in diesem Jahr, so hatte Euphelia den Eindruck, wollten alle hier im Haus ein wenig nachholen. Pia begann mit dem Osterrausch, dem sich in den Tagen vor dem Fest dann niemand mehr entziehen konnte. Sie waren wirklich selbst überrascht, was die Kisten so alles hergaben. Auch der Karton, den Esther ihnen geschickt hatte, wurde geleert und erfreut einbezogen. Es gab früher, als die Kinder klein waren, wohl kein Jahr, in dem Eier draußen in die Bäume gehängt wurden. In diesem Jahr war es ein Großaufgebot.


Maxi hatte Plan und Listen für die Feiertage geschrieben, Kerstin und Pia hatten die Zimmer voller Liebe vorbereitet. Die Tage selbst verbrachten alle Gäste mehr draußen als drinnen. Am Sonnabend knisterte das Osterfeuer pünktlich zum Vollmond.

Mundharmonika wurde gespielt und das Beisammensein fröhlich genossen. Der Mecki freute sich schon am Tage über viel Begeisterung. Torsten als Ofenmeister zauberte Brote hervor, die unten nicht schwarz waren und oben eine knackende Kruste aufwiesen. Keines der Brote lernte das Gewölbe oder die Küche kennen. Sie hatten ein kurzes und erfülltes Leben. Als Engelchen die leeren Bretter entdeckte, die in die Küche getragen wurden, kam der verzweifelte Ausruf „Oh, ich muß neu backen!“ Ingo und seine Mädels in der Küche hatten sich tolle Überraschungen ausgedacht. Sie kochten im Mecki, backten Kekse darin und übertrafen sich bei ihrem köstlichen Ostermenü wieder einmal selbst. Liane und Maxi erfreuten die Gäste immer wieder mit farbenfrohen Dekorationen auf den Tischen im Gewölbe. Der Osterhase trieb am Sonntag so manch einen Gast in die Verzweiflung oder in den Lachkrampf, denn die Verstecke waren viel zu gut. Frische Waffeln, draußen gebacken, ausreichend Sekt und immer wieder Eierlikör beruhigten die Gemüter.

Achja, ein neues Familienmitglied wurde an Ostern begrüßt und mit großem Applaus eingeführt. Nach Sir Henry, einem zauberhaften Alleskönner von Rational in der Küche im Frühjahr, nach Mecki, dem Merklinger HolzbackGrillRäucherofen im Oktober, zog nun die zauberhafte und anmutige „Salzburger Getreidemühle“ ein. Erster Weizen wurde gemahlen, befühlt und verbacken.

Ein Name für die Mühle wird noch diskutiert. Edoard und Edelgard freuen sich über diese neue Bekanntschaft ebenfalls und hoffen auf diverse schmackhafte und vollkörnige Fütterungen. Das Getreide zu beschaffen für diese eigene Mühle ist schwerer, als Conny sich das dachte. Sie liebt scheinbar die Herausforderung, sonst hätte sie sich vor der Mühle um das Getreide gekümmert.
Natürlich waren sie alle am letzten Wochenende viel und lange in Eulenhausen. Doch darüber wird Euphelia in den nächsten Tagen berichten. Ihr dürft gespannt sein.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 14. Februar

Euphelia zieht so tief den Duft ein, daß sie beinahe ein ganzes Stück größer wird. Noch immer sind alle aufgeregt, wenn ein Brot seinen frischen Geruch durch das Haus verströmt. Inzwischen backen Engelchen, Liane und Conny jede ihre AllerliebstBrote. Conny hat jetzt oft am Abend ihren Freund Edoard an ihrer Seite, damit er vor der Nachtgare genug Wärme bekommt. Torsten hat sich mit Edoard arrangiert. Dabei begann diese Liebe zum Brot und vor allem zum eigenen Backen des Brotes ganz simpel vor drei Jahren bei einer Reise gemeinsam mit Connys Eltern.

Connys Eltern sind keine Außerhausfrühstücksesser. Sie sind in dieser Beziehung sehr konservativ, was ihnen mit über 80 gelebten Jahren auch zusteht. Doch auf einer gemeinsamen Reise zu ihrem Enkel Charly nach Heidelberg vor drei Jahren sprangen sie regelrecht über ihren Schatten, mehrfach sogar. Einmal blieb Conny lebhaft in Erinnerung.

Sie hatten für eine Zwischenübernachtung ein Apartment in Weimar gemietet – ohne Frühstück. Also begaben Sie sich am Morgen auf die Suche nach frischen Brötchen. Ihre Eltern erklärten fest, mitkommen zu wollen. In einer kleinen Straße, das Wetter war schön, die Sonne beschien genau diese Straßenseite, saßen junge Menschen, Studierende, Männer mit Maurersachen und Mütter mit ihren Babywagen auf dem Fenstersims und auf kleinen Stühlen an kleinen Bistrotischen. Es wuselte und von weitem fragten sie sich, welche Besonderheit diese ganzen verschiedenen Menschen an diesen Ort zieht? Mit jedem Schritt gab ihnen ein intensiver werdender Geruch die Antwort. Noch nie hatte Conny so bewußt den Duft nach frischem, warmem Brot vernommen. Sie wollte auf der Stelle stehenbleiben. Sie wollte unbedingt dieses erste Mal festhalten, nicht dichter kommen, vielleicht diese einmalige Begegnung mit diesem zauberhaften Duft noch ein wenig bewußt erhalten. Conny hatte keinen Blick mehr für ihre Familie, obwohl sie zu fünft unterwegs waren. Sie ließ sich in diesem Zauberduft nach Harmonie, nach Urvertrauen einfach mitreißen. Mit einem langen Atemzug, als ob sie für immer alle Sensoren in der Nase, alle Härchen mit diesem Empfinden verankern könnte, trat sie wie magisch angezogen durch die Dufttür. Sie befand sich in einem winzigen Brotbistro. Um sie herum wurde geredet und geschubst. Sie merkte nichts. Conny roch mit großen Nasenflügeln, bis sie voller Luft schon auf den Zehenspitzen stand. Nun sah sie verschiedene Backöfen, sah das Feuer in einem Steinbackofen ganz hinten in der Ecke, spürte die Wärme wie eine Decke um sich herum. Bald schon konnte sie den Geruch selektieren zwischen den verschiedenen Brotsorten, roch das schwere dunkle Brot, merkte den Unterschied zum hellen langen vornehmen Brot. Doch sie hatte keine Ahnung, was sie roch. Conny war berauscht in der Nase. Plötzlich erinnerte sie sich, daß sie gar nicht alleine hier war. Sie schaute sich suchend nach ihren Eltern um, die sie noch auf der Straße vermutete. Die beiden standen, ebenfalls der Welt entrückt, direkt hinter ihr. Nie wird Conny dieses Lächeln auf ihren Gesichtern vergessen, dieses verzückte Schnuppern, diese Erwartung, endlich in die erste Stulle eines frischen Brotes hinein zu beißen, es fluffig in der Hand und am Gaumen zu spüren. Nur Minuten später saßen Conny und ihre Familie in einer Ecke auf dem Fenstersims und auf kleinen Stühlen an einem kleinen Bistrotisch mit einem Pott Kaffee für jeden und einer deftigen Scheibe frischen Brotes. Dieser Moment war ausschlaggebend, gemeinsam mit ihrer Mama einen Sauerteig anzusetzen, der bis heute lebt und Edoard heißt. Bei jedem frischen Brot aus dem eigenen Ofen lächelt Conny – auch in Erinnerung an dieses zauberhafte Frühstück mit ihren Eltern, an diese wundervolle gemeinsame Reise und vor allem wegen der Liebe zu ihrer Familie. Sie nimmt jedes Mal mit der Nase ganz dicht am noch warmen Brot einen tiefen Atemzug und fühlt sich geerdet und angekommen.

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Eintrag in das Buddelbuch- Euphelia am 23. November

Euphelia!!!! Eupheeeelia!!!!!!!! Eupheeeeliiiiiiiiaaaaaa!!!!

Das ist schon nicht mehr lustig. Seit Wochen, ja seit Monaten schweigt die Hausschreibfeder. Erst fehlten ihr die Themen, später die Sätze, zum Schluß die Worte – dann verschwand sie ganz. Lange stand sie auf dem Schreibtisch Zwischen den Zeilen – immer mit dem Blick auf die Haustür, in der sich im Juni der Schlüssel gedreht hatte und den sie keinen Tag aus dem Auge ließ. Sie war glücklich, denn Menschen kamen und gingen. Das ganz normale, verrückte Spiel hatte endlich wieder Fahrt aufgenommen, so, wie es alle kannten.

Hurra! und Wir sind wieder da! und Da sind wir endlich! und Schön, Euch zu sehen! und strahlendes Lächeln, lautes Lachen, Freude schöner Götterfunken – beim Ankommen.

Schon vorbei. und Wir kommen bald wieder. und Ach, das Inselleben war sooo schön. und Ich will nicht weg. und Bleibt gesund und Paßt auf Euch auf!  und ein Tränchen, Verabschiedung über Stunden, ein trauriges Schmollen – beim Weggehen.

Die Gutshotelfamilie war in ihrem Element: Verwöhnen, Wünsche erfüllen, neue Wünsche erfinden, um diese zu erfüllen, das Draußen draußen lassen. Jeder strahlte in seinem Bereich und an seinem Platz. Fast das ganze Leben spielte sich draußen im Gutspark ab. Frühstücken, Abendessen, Grillen, Lagerfeuer, Waffeln backen, lesen, quatschen, Cocktails schlürfen, Brot backen, Kastanien sammeln, Laub harken, Akkordeon lauschen, stricken, spielen.

Man konnte den Eindruck haben, dies sei ein Gesellschaftshaus, von „Hotel“ spürte man eher weniger. Es wurde Abstand gehalten, Rücksicht genommen und Respekt gezollt. Euphelia hätte jeden Tag darüber berichten wollen.  

Doch da stand ihr geliebter Freund Faust neben ihr auf dem Schreibtisch, den sie seit so langer Zeit vermißt hatte. Ganz kurz nur hatte sie ihn kennengelernt. Er lag neben den prachtvollen Fotobüchern in der Glasvitrine, hatte ihr den Weg in die Freiheit gewiesen, nachdem sie in ihrer Schachtel aufgewacht war. Sie hatte sich am Spalt der Scheibe kurz umgeschaut, seinen Blick gespürt und beide hatten sich sofort ineinander verliebt. Jedoch gingen sie unterschiedliche Wege. Faust reiste von Kiste zu Kiste international und Euphelia von Schreibtisch zu Schreibtisch auf der ganz kurzen Strecke.  

Zunächst wurde nun also fröhlich Wiedersehen gefeiert. Sie erzählte Faust von der langen, stillen, einsamen Zeit im Haus. Faust selbst war inzwischen viel herum gekommen. Mit Aladin gemeinsam in der Kiste flog er in den Orient, kam dann zum Zauberer von Oz. Mit dem zusammen wurde er auf Händen wieder zurück in das Haus getragen, denn es war überall das Interesse der Gutshotelfamilie an der Smaragdenstadt bekannt. Und so wollte es der Zufall, daß der kleine Prinz, der gerade zur selbigen Zeit auf dem gelben Steinweg wandelte, neben Faust gelegt wurde und sie zu zweit bei Euphelia ihren Platz auf dem Schreibtisch bekamen. Jetzt gab es kein Halten mehr. Sie sprudelten über, erzählten alle drei um die Wette ihre Geschichten. Beinahe hätte das 1002 Nächte gedauert. Doch plötzlich, mitten im Satz, wurde aufgeräumt. Räumen und Putzen – legendär im Gutshotel und sowieso Zwischen den Zeilen. Schon landete Faust wieder in einer Kiste. In letzter Minute gelang es dem kleinen Prinzen, Euphelias Bitte zu erfüllen. Er schubste sie zwischen die Seiten und so konnten Faust und Euphelia beisammen bleiben. Zunächst merkte es niemand. Euphelia hatte sowieso seit Tagen in der Öffentlichkeit geschwiegen, nur mit den beiden Dauerhelden erzählt. Sozusagen Sommerurlaub der Hausschreibfeder.

Doch eines Tages wisperte die Frage durch das ganze Haus: Wo ist Euphelia? Habt Ihr Euphelia gesehen?

Niemand hatte sie gesehen. Alles Suchen auf den Schreibtischen und in den Schubladen half nichts. Der kleine Prinz, der immer so lange fragte, bis er eine Antwort bekam, war als Gefragter sehr viel stiller. Er verriet nichts. Langsam wurde man unruhig. Ute bohrte schon intensiver nach. Habt Ihr Euch auch mal gekümmert? Wie geht es Euphelia?

Der kleine Prinz schämte sich ein wenig, daß er beim Suchen nicht half. Wenigstens die Richtung hätte er gern verraten. Aber Ehrenwort war Ehrenwort. Unter Prinzen – da hätte er vielleicht reden können. Unter Prinzen: AAAHA! Ja, das war es. Seit einigen Tagen hatte er schon immer mal wieder das Gerücht gehört, daß ein Prinz im Hause weilt. Noch hatte er ihn nicht gesehen. Ein Prinz im Gutshotel? Einer, der aufrecht sitzt und schreibt? Nicht einer, der liegt, geblättert und gelesen wird? Wenn das wahr wäre, könnte der kleine Prinz vielleicht einen Wink geben, damit Euphelia ihren Urlaub mit Faust beendet und zum Advent wieder ihren Dienst als Hausschreibfeder antritt. Und tatsächlich, genau am Schreibtisch Zwischen den Zeilen, genau da wo der kleine Prinz Euphelia zu ihrem Liebesglück verholfen hatte, nahm er Platz, der Bücherprinz.

Der Bücherprinz schlug das große, alte, ehrwürdige, hölzerne Buch auf und suchte nach einer Schreibfeder. Keine da. Urlaub. Der kleine Prinz wußte nicht, wie er anfangen sollte. Doch Bücherprinzen verstehen zum Glück die Lettersprache. Als der kleine Prinz sich räusperte und den Bücherprinzen bat, ihm eine Feder zu malen, malte dieser eine Schachtel. Da errötete der kleine Prinz und flüsterte ganz leise: Entschuldige, diese Schachtel ist leer, denn die Feder fiel in eine Kiste. Sie reiste mit Faust gemeinsam. Der Bücherprinz, der ja die Lettersprache versteht, hob die Augenbrauen, dachte kurz nach, lächelte und dankte erhaben – so von Prinz zu Prinz. Die Richtung war klar. Die Suche konnte beginnen, ein starker Trupp war schnell gefunden:

Elke hatte intellektuelle Unterstützung gebracht – Alma. Alma sollte mit ihren Kenntnissen in allen Wissenschaften den Weg zu Euphelia und Faust analysieren. Sie hatte eine umfangreiche Ausbildung an der Uni Rostock bestens abgeschlossen. Doch bei dieser Aufgabe kam selbst Alma ins Schwimmen. Von Sandra eilte Verstärkung herbei – Oskar mit Eula. Oskar hatte sich eine neue Familie gewünscht und war der Gutshotelfamilie in Liebe verfallen. Eula würde auch im Dunkeln zwischen den Kisten und Regalen gut sehen. Die drei waren ein starkes Team. 

Gemeinsam brachen sie auf, durchwanderten das Gerümpelland und kamen an im Bücherparadies – ein langer, halbdunkler Weg voller Kisten und Regale. Wo sollten sie anfangen zu suchen?

Euphelia!!!! Eupheeeelia!!!!!!!! Eupheeeeliiiiiiiiaaaaaa!!!!

Doch halt, still, ganz still! Da höre sich das doch einer an.

Haben die sich denn immer noch nicht alles erzählt? Sie kichern und wispern und reden und reden – und die Kiste offen und ganz in der Nähe. Alle traten heran. Euphelia und Faust unterbrachen überrascht ihr Gespräch. Ein von Liebe erfülltes Lächeln lag auf Euphelias Federmündchen. Sie sah aus, als wenn sie fast wüßte, was die Welt im Innersten zusammenhält. Sie schaute den abenteuerlichen Suchtrupp an, einen nach dem anderen, fragte schlicht nach der Uhrzeit, streichelte die angekokelte Ecke ihres Freundes und sagte: Gehen wir an die Bar? Ich habe Durst.“

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 22. Mai

Euphelia weiß noch nicht so recht, mit welchen Worten sie Conny ein wenig Sicherheit geben kann. Manchmal spürt sie richtig, wie gern Conny von anderen hören würde, was zu tun und zu lassen ist. Verantwortung kann eben auch richtig schwer auf den Schultern lasten. Zu früh öffnen ist gefährlich, zu spät öffnen ist teuer. Überhaupt öffnen hat so viele Bedingungen. Wie macht Conny alles richtig? Wie werden Mitarbeiter und Gäste gleichsam glücklich? Miteinander glücklich – das ist die wichtigste Voraussetzung, anders hat dieses Hotel gar keinen Sinn. Wer gibt ihr den richtigen Plan, zeigt ihr den Weg? Die Zeit seit November ist wirklich sooo lang. So viele Ideen und Hoffnungen mußten immer wieder geändert werden.

Plötzlich erinnert sich Euphelia an ein Gedicht.

Herr K. und die Flut

Herr K. ging durch ein Tal,

als er plötzlich bemerkte,

daß seine Füße in Wasser gingen.

Da erkannte er, daß sein Tal

in Wirklichkeit ein Meeresarm war

und daß die Zeit der Flut herannahte.

Er blieb sofort stehen,

um sich nach einem Kahn umzusehen,

und  solange er auf einen Kahn hoffte,

blieb er stehen.

Als aber kein Kahn in Sicht kam,

gab er diese Hoffnung auf

und hoffte, daß das Wasser

nicht mehr steigen möchte.

Erst als ihm das Wasser

bis ans Kinn ging,

gab er auch diese Hoffnung auf

und schwamm.

Er hatte erkannt,

daß er selber ein Kahn war.

Bertolt Brecht       

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 18. Mai mittags

Euphelia lauscht den Worten am Radio. Gestern war alles noch ganz anders, vor einer Stunde auch. Wollen wir wetten? In einer Stunde wird alles ein bißchen anders sein. Dieses Hin und Her kann sie nicht mehr ertragen. Aus. Radio aus. Ruhe. Ist auch nicht besser – dann drehen die Gedanken am Rad. Auch nicht besser. Wie war das eigentlich im letzten Jahr? Euphelia blättert einfach mal zurück. Da ist er – der

Eintrag in das Buddelbuch vom 8. Juni 2020.

Lesen, Kopf schütteln, lachen, weinen, doll weinen, Kopf schütteln, Schultern zucken. Oooohje – letztes Jahr mit diesem zu vergleichen ist soooo schwer. Im letzten Jahr nahmen sie hier den Betrieb wieder auf nach drei Monaten. Nun sind es mehr als sieben Monate Einsamkeit für dieses wundervolle alte Gutshaus, wenn sie den Schlüssel erstmals wieder in die andere Richtung drehen werden. Wann wird das sein? Gestern hatten sie hier einen festen Beschluß gefaßt. Heute merkte Euphelia schon beim gemeinsamen Tee am Radio – Schultern zucken, Kopf schütteln, hinhören, Unsicherheit in den Augen. Was machen sie jetzt richtig? Euphelia weiß nur eines ganz genau: Diese Entscheidung möchte sie gerade nicht treffen. Schnell  steckt sie ihr Füßlein in den Silberstiefel und mimt den Schlafmodus. Es ist erst mittags. Wie lange hält sie das durch?