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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 16. Dezember

Euphelia ist schon ganz wirre im Federköpfchen. Was geht hier denn bloß ab in den letzten Tagen! Wenn Conny doch bloß bei ihren Fotos geblieben wäre. Euphelia hätte solch eine beschauliche Adventszeit haben können. Doch da kamen dann irgendwie die Jahre 2002, vor allem 2003 und 2004. Euphelia hörte nur noch einen Rums, dann flog der Deckel auf die Fotokiste. Da wollte Conny wohl irgendwie nicht ran. Und damit begann dann das Dilemma für Euphelia. Das Federchen direkt an ihrem Genick ist bereits völlig zerzaust. Sie kam sich vor wie ein Zuschauer beim Tennis, oder besser noch erste Reihe beim Tischtennis. So schnell düste Conny an ihr vorbei – hin und her, immer wieder hin und her, ständig hin und her. Rennt sie vor den Bildern der alten Jahre weg? Vor den aktuellen Nachrichten? Was tut sie den ganzen Tag in diesem Dauerlauftempo? Zwischendurch saßen sie gemeinsam mit Maxi und Torsten zwischen Briefen und Päckchen. Conny würde so gern antworten, doch irgendwie hat sie die Sprache verloren. Was soll man denn auch sagen? Da sind die Tränen der Freude und Rührung, wenn sie Post vorliest oder Torsten Päckchen öffnet. Von Simone und Melanie an die Hand genommen wandern alle drei hier von Adventstag zu Adventstag durch das Reich des Zauberers von Oz. Was für eine tolle Idee, sogar Fußcreme für den beschwerlichen Weg war dabei. Euphelia hofft so sehr, daß sie in den nächsten Tagen einige Fotos versenden darf. Noch schüttelt Conny den Kopf. Sie ist noch nicht fertig – ja, aber womit? Bitte, liebe Freunde, möchte Euphelia nun einfach in die Runde rufen, habt Geduld mit Conny. Ihr fehlen die Worte für Karten und Briefe. Irgendwas soll wohl so sein wie alle Jahre. Conny schreibt ihre Weihnachtspost im Januar. Man braucht doch Rituale. Sonst war vor Weihnachten kaum Luft für handgeschriebene Post aus dem Tintenfaß. Doch in diesem Jahr gäbe es wohl Zeit, doch keine Worte, die diese Zeit beschreiben können. Doch eines ist sicher, das merkt Euphelia jeden Tag von ganzem Herzen, die Freude über die liebe Post, die hier täglich ankommt, ist riesengroß und tränenreich.

Euphelia schleicht sich noch einmal an Conny heran, schaut sie mit einem bittenden Blick fragend an: „Conny, um Himmels willen, was machst Du?“ Lange blickt Conny auf das liebgewonnene Federchen, dann im Kreise um sich herum. Gerade denkt Euphelia, nun rennt sie gleich wieder los. Da antwortet Conny: „Ich dekoriere!“

Und jetzt begreift Euphelia endlich, als sie dem Blick von Conny folgt. In fast jedem Detail, welches hier überall um sie herum liebevoll und stilecht aufgebaut wurde, in jedem Stück liegen Erinnerungen an die kleine Familie, an die Gutshotelfamilie, an die große Familie. Ihr fehlen die Gäste und die Lieben um sie herum sehr. Doch so kann sie jeden Tag mit jemandem ein Pläuschen halten. Sie weiß fast alles noch. Woher und wann und wie sich der Moment anfühlte. Conny dekoriert, als wenn es kein Morgen gibt. Alle sollen auf diesem Wege bei ihr sein. Torsten versuchte, die Frage nach dem „Nach Weihnachten…“ zu stellen. Euphelia hat lieber schnell weggeschaut, der Blick, der da zurück kam, war deutlich. Conny bleibt in Weihnachten, bis die ersten Gäste wieder kommen dürfen. Aufräumen? Wie war das noch mit den fehlenden Worten? Dies ist ganz sicher eines davon!

In diesem Sinne, liebe Freunde, bitte ich, Euphelia, die Hausschreibfeder, von ganzem Herzen um Geduld und bedanke mich in Connys Namen für die liebe Post. Viele Details, so hat sie versprochen, werden Euch hier als Bild noch erreichen. Genießt die Adventsstunden, lauft nicht so viel hin und her, paßt auf Euch auf und hört in Eurem Herzen, wenn Conny mal wieder eine kleine Unterhaltung in Gedanken mit Euch führt. Seid Euch gewiß, ganz viel Liebe ist von hier aus zu Euch unterwegs. Hohoho!!!

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 28. November

Euphelia hofft.

Seit Stunden schaut Conny ein Märchen nach dem anderen. Sie hat Euphelia mitgenommen. Euphelia hat entdeckt, daß in den Märchen auch andere Hausschreibfedern ihren Dienst tun. Beim Däumling und bei der Prinzessin mit dem goldenen Stern. Wie spannend. Sie dachte, sie ist die einzige. Doch vor einigen Wochen durfte sie bereits einen Text lesen einer anderen Schreibgelegenheit. Ganymed.

Plötzlich hat Euphelia eine Idee. Wie schön wäre es, sich mit anderen Schreibgelegenheiten austauschen zu können. Alle anderen beginnen doch jetzt auch die kerzenerleuchtete Zeit des Advent. Viel beschaulicher und ruhiger als in anderen Jahren. Licht von all den Kerzen um uns herum. Gedanken können fließen, begünstigt durch den Vollmond am   Montag. AnVollmond fanden immer unsere Lesungen statt. Kleine Geschichten an verschiedenen Orten brachten uns der Anderswelt ein wenig näher. Nun – das WIR muß wohl noch eine Weile warten. Doch wenn wir gemeinsam schreiben, wenn die Schreibgelegenheiten in Aktion treten, dann sind wir uns wieder viel näher. Wir können Traurigkeit und Sorgen und Freuden und Träume und Nonsens gemeinsam genießen. Vielleicht können wir uns sogar einander vorlesen. Elisa hat das im vergangenen Jahr so toll und liebevoll vorgemacht. Euphelia hat während der Adventszeit an jedem Tag eine Leseempfehlung gegeben. Wenn Ihr mögt, öffnet sie ihre Ideenkiste auch in diesem Jahr. Vielleicht tauschen wir Leseerlebnisse und Backrezepte aus. Erinnert Ihr Euch? Conny weiß genau, was in welchem Raum in ihrem WortReich am liebsten getrunken wird. Vielleicht erzählen wir uns mit unseren Federn und Stiften, was wir in welchem Raum jeder bei sich zu Hause oder anderswo am liebsten lesen, wie wir sitzen, welche Kissen und Decken uns stützen, was wir naschen und trinken, auf welchem Papier wir schreiben, welche Tinte wir mögen. Wie wir uns dabei fühlen – oder gern fühlen möchten.

Laßt uns doch gemeinsam unsere Welt bauen, so wie sie uns gefällt. Ja, hier ist es gerade sehr ruhig. Ganz anders ruhig als im Frühling. Conny ist so froh, daß in den letzten zwei Wochen ihre Eltern hier in Groß Breesen zu Besuch waren. So bekamen die Tage eine gewisse Struktur, alle konnten sich miteinander ein wenig umsorgen und verwöhnen.

Ja, verwöhnen und umsorgen, das ist Connys Leben, darauf wird sie vorbereitet sein, wenn es im nächsten Jahr wieder losgehen darf. Und sie hofft so sehr, daß auch ihre wundervolle Gutshotelfamilie ihr so lange die Treue hält.

Zunächst werden die drei Unzertrennlichen wieder putzen und räumen und zwischendurch schreiben und lesen und einfach mal Müßiggang genießen bei Kerzenschein. Vor allem werden sie sich um die Familie kümmern, um die kleine, um die große und um die ganz große.

Euphelia hofft.

Auf Texte, auf Austausch, darauf, daß alle ihre lieben Freunde gesund durch den Advent kommen und sich im nächsten Jahr lachend in den Armen liegen können.

„Weihnachten ist kein Zeitpunkt und keine Jahreszeit, sondern eine Gefühlslage.“ Calvin Coolidge

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 17. Juli

Euphelia verteidigt ihren neuen Stammplatz im Foyer unweit vom Eingang. Der gefällt ihr. Hier liegt das Gästebuch und außerdem bekommt sie am besten die erstaunten Ausrufe der Anreisenden mit, wenn diese erstmals die umgebaute Etage bemerken und sehr begeistert alle Details in Augenschein nehmen. Luftig, hell und  wahrhaft bibliophil sieht es hier aus.

An manchen Tagen kribbelt es ihr in der Feder, einfach drauf los zu schreiben, an anderen bemüht sie sich um einen klaren Gedanken und vor allem um einen roten Faden. Man könnte ja denken, alles geht ganz beschaulich. Die Gäste kommen und gehen, die Zimmer werden geputzt, das Essen wird gekocht, der Wein eingeschenkt. Guten Tag, Auf Wiedersehen – aber irgendwie ist es ganz anders, von Routine gar keine Spur.

Immer noch ist vieles anders. Die Organisation aller Abläufe nimmt weiterhin sehr viel Zeit in Anspruch. Wie ein neues „Normal“ aussehen wird, wissen sie nicht. Doch da ist nicht mehr dieses Hadern, nicht mehr diese Ungeduld. Immer mehr kommt die Gutshotel-Familie in diesem neuen „Anders“ an. Jeder nimmt seine Aufgabe wahr und seine Verantwortung ernst, bringt neue Ideen ein und fühlt sich als ein Teil dieser ganzen zauberhaften Insel Literaturien.

Es gibt ganz schöne, manchmal überraschende Glücksmomente, von denen Euphelia gern berichten möchte:

So kam an einem Wochenende Carmen E. ins Haus, sah Torsten und rief durch das ganze Wohnzimmer: „Wie siehst Du denn aus!“ , sah Conny, hob die Augenbrauen und stellte laut und deutlich klar: „Ich habe die Schere mit. Morgen nachmittag im Park. Wir haben zwei Termine!“ Carmen schnitt, der Wind fönte, alles schick. Februar ist eben doch schon ein paar Tage her.

An allen möglichen und unmöglichen Stellen im Park entdecken wir Vögel, die hier ihren Nachwuchs brüten und füttern. Spüren sie die Ruhe, die über dem ganzen Ort liegt? Ist es die Wildnis, die Insekten und Vögel anzieht? Wir hören Vogelstimmen, die uns völlig neu sind. Nun hat Torsten sich entschlossen, in diesem Sommer nur Wege zu den Bänken und Sitzplätzen zu mähen. Alles andere bleibt so wild. Es sieht überall im Park bunt aus und der Rasen ist nicht verdorrt. Sicher wird manch ein Gartenordnungsliebhaber verwirrt mit dem Kopf schütteln, egal – wir wagen ein Jahr lang dieses Experiment. Schauen wir mal, welche Leseplätze wir entdecken auf diese Weise und welche Pflanzen wie blühen, die vorher schon längst entfernt worden wären.

Der Hochzeits-Kirschbaum von Familie Lange vorne im Garten trug herrliche Kirschen. Wir naschten zum Glück noch reichlich, um uns vom guten Geschmack zu überzeugen. Scheinbar hatten die Stare das Hhhmm gehört. Eine Nacht später war der Baum komplett leer. Das Netz lag schon daneben – wir waren einen Tag zu spät.

Diese Woche erhielten wir die erste Namensliste für eine Tagung im nächsten Monat. Wir haben es regelrecht gefeiert. Eine Namensliste!!! Also nimmt auch dieser Bereich wieder Fahrt auf. Natürlich müssen wir uns nun darum kümmern, ob wir mit den Abständen hinkommen, wie die Tische für die Mahlzeiten stehen dürfen, wie das Frühstück abläuft. Doch wenn wir eines gern tun, dann kümmern. Sogar ein Paket mit einem Obstbaum für die Obstwiese in Eulenhausen traf bei uns ein. Ableger für den Garten werden mitgebracht, Bäume beschnitten, Tische selbst abgeräumt. Manchmal, so denkt Euphelia, ist es wirklich wie nicht von dieser Welt, wie in einer wunderbar harmonischen Gemeinschaft.

Als Christiane S. aus V. hier eintraf, zeigte ihr Kennerblick beim Besuch der BuchBar hier im Wohnzimmer, daß unbedingt aufgeräumt werden muß. Da wurde nicht lange gefackelt, sondern sogar auf den Knien gab Christiane den zusammenpassenden Kollektionen neue Plätze. Es wurde wieder überschaubar und so manch ein Schätzchen kam ans Tageslicht.

Unser Online-Shop „Die BuchBar“ wird noch immer gut besucht und hilft uns total in dieser Zeit, wo das volle Geschäft im Hotel nicht anlaufen kann. Mit den Gästen, die hier vor Ort den Laden besuchen, tauschen wir uns aus, was wohl noch gewünscht wird. So werden wir auch in den nächsten Wochen weiterhin an der Erweiterung des Sortiments arbeiten. Ein Besuch online bei den bookoholikern wird also immer wieder spannend bleiben.

Das Gefühl, es gerade genau richtig zu machen, geben uns immer wieder die Abende. Ob im Gewölbe, im Salon oder im Park – die Gäste genießen diese entspannte Stimmung und wir mit ihnen gemeinsam.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 2. Juli

Euphelia kann es nicht fassen. Das geht doch gar nicht. So schnell kann man nicht ÖFFNUNG sagen, da ist der Juni auch bereits vorbei. An allen vorbei gerauscht, daß man nur ein Zischen hörte. Und doch braucht Euphelia Conny nur anzuschauen, dann sieht sie und grinst, Conny war noch immer nicht zum Friseur (Torsten sieht schon wie ein echter Künstler aus!). Doch sie sieht auch und wird ernst, es waren lange, gedankenschwere 19 geöffnete Tage in diesem einzigartigen Juni, der erst in der Mitte begann. Die meiste Zeit hatte Euphelia im komplett umgebauten Foyer die Chance, alle Informationen aus erster Hand zu bekommen. Für Conny war es unübersehbar am wichtigsten, allen Gästen einen Urlaub zu bieten, der dieses Wort auch verdient. Ihr großes Vorbild war, wie schon so oft, ihr großer Bruder. Er hatte damals als Artist immer gesagt: „Keiner der Zuschauer darf spüren oder sehen, wieviel Schweiß, Anstrengung, Training und harte Arbeit uns ein perfekter Auftritt auf der Bühne kostet.“ Genauso möge es Connys Gästen ergehen. In dem Moment, wenn sie die Insel Literaturien betreten, soll die Welt da draußen auch wirklich draußen bleiben.

So viele Einzelheiten, Abläufe, Details mußten neu durchdacht und definiert werden, um diesen hohen eigenen Anspruch zu erfüllen. Wahrlich, es sind einschneidende Veränderungen, die eine große Portion Mut und Kühnheit verlangen. Tja, das Jahr der Kühnheit. Doch die ersten drei Wochen der neuen Zeitrechnung haben gezeigt: Die Kühnheit, auf einem sehr schmalen, sehr geraden und sehr ehrlichen Pfad zu starten, zahlt sich zwar vielleicht nicht in Form eines tollen Eurokontos aus, doch diese Kühnheit gibt den Gästen den erforderlichen doppelten Boden, das Netz unter dem Hochseil, um sich wirklich – und wenn es sein muß sogar mit dem Buch in der Hand – einfach entspannt fallen lassen zu können. Das zählt für Conny an erster Stelle und sie weiß, sie hat die ganze Gutshotelfamilie bei dieser Denkweise geschlossen an ihrer Seite. Gemeinsam meisterten sie diesen Neustart mit dem ihnen eigenen Zusammenhalt. Das fortwährende Putzen und Räumen nun im Hintergrund wurde unterlegt von Respekt, Harmonie und einem anfangs chaotischen Miteinander, alle bedacht, Gutes zu tun.

So manchen Abend stand Conny, das Frauenzimmer, in ihrem Frauenzimmer am Stehpult, blickte über die Felder und dachte über die Zukunft nach. „Was will ich werden, wenn ich erwachsen bin?“ dachte sie. Denn irgendwie fühlten sich diese ersten Tage wie ein Versuch in Kinderschuhen an.

Doch allmählich entwickelte sie mit ihrer wundervollen Truppe um sich herum und den vielen abstandsherzlichen Begegnungen mit alten und neuen Freunden und Gästen ein Gefühl für so eine Art Alltag. Auf der Insel Literaturien halten sich die Lockerungen weiterhin in Grenzen. Es haben nur Übernachtungsgäste Zutritt. Das Restaurant, der Gutspark, die Bücherscheune bleiben für alle Tagesgäste geschlossen. Das ist kühn, das weiß Conny. Das ist vielleicht nicht wirtschaftlich, das ahnt Conny. Aber es ist verdammt ehrlich, das braucht Conny. Dies gibt ihr die Kraft, das Lachen neu zu entdecken, das Strahlen und die Leidenschaft, diesen Ort zu schützen und als Gastgeberin zu ehren.

Es gab eine erste Lesung im Gutspark zu Mittweihnachten am 24. Juni. Conny bekam sogar Geschenke und endlich – und das war das größte Geschenk – war das Lagerfeuer wieder Mittelpunkt fröhlicher Gespräche.

Im Gutspark spielt sich das meiste Leben ab. Hier wird gefrühstückt, gelesen, mittags geschlafen, geplaudert und angeregt diskutiert, gelacht und gestrickt, einfach nur gesessen, lecker gegessen und manch ein köstlicher Schluck getrunken. Eine Wohlfühlstimmung liegt über dieser Insel. Man bleibt auf Abstand und genießt eine unaufdringliche, liebevolle Nähe. Die Gutshotelfamilie darf endlich wieder verwöhnen, und sie tut es mit Inbrunst.

Gab es für Euphelia einen magischen Moment in den letzten Tagen? JA!

Conny war noch immer so nachdenklich, bedrückt gar, ängstlich vielleicht, unentschlossen wahrscheinlich. Da gab es diesen Moment, als Maxi sie in den Arm nahm, sprichwörtlich gleichzeitig das Paddel in die Hand und sprach: „Mama, im August möchte ich an Vollmond abends auf dem See wieder paddeln. Wenn Du vorliest, kümmere ich mich um alles andere!“

Dieser Satz war wie ein Weckruf für Conny. JA, sie wird lesen an Vollmond im August im Kanun auf dem See am Abend. Und ja, Maxi kümmert sich – nicht nur um diese Tour, sondern mit Bravour um Steueränderungen, Listen, Pläne und Tabellen – und um Menschen. Und ja, in Conny beginnt es zu brodeln. Im Frauenzimmer am Stehpult entstehen neue Ideen für Kurse, Lesungen, Abende. Sie denkt an Schreibende, an Fotofreunde, Buchbinder und Schönschreiber, an Träumer und Lesende, an Reisende und Radfahrer, an Sterngucker und Gartenfreunde. Sie träumt und lächelt.

Und Liane spürt es und sucht Weine aus und Cocktails. Fruchtig, Brombeere, eisig – sie kennt Conny und ihre Gäste. Und Ingo spürt es und schreibt Menüfolgen für besondere Anlässe. Und Torsten spürt es und bereitet vor, räumt hin und her, bereitet nach und ist immer schon da, wenn Conny ihn gerade rufen will. Und so geht es der ganzen Gutshotelfamilie. Sie spürt diesen Ruck. Es geht vorwärts. Es wird wieder spannend. Es wird kühn. Leise zwar, klein, eigensinnig im wahrsten Sinne, doch es wird kühn.

Wer dabei sein wird, wer sich darauf einläßt, wird seinen Spaß haben.

Euphelia, die echte Eulenfeder, die Hausschreibfeder, hat plötzlich Gänsehaut am ganzen Federpuschel.

Über diesen Satz muß nun sogar Conny schmunzeln.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 14. Juni

Euphelia schüttelt mit dem Köpfchen. Seit Donnerstag schüttelt Euphelia ihr Köpfchen. Mit einem Federpüschelchen hält sie sich anderthalb Augen zu. Mit halbem Auge lugt sie ganz vorsichtig hervor und beobachtet das Geschehen um sich herum.

Menschen sind wieder da!

Es liegt eine Anspannung in der Luft, die vielleicht zu dem Gewitter des Wochenendes paßt, doch irgendwie so gar nicht zu diesem Haus. Euphelia hat sich so tief es geht in ihr silbernes Stiefelchen gerollt. Nur nicht auffallen, denn Conny holt noch immer Luft! Ein Taucher unter Wasser auf der Langstreckenbahn. Wie lange hält sie das noch aus? Euphelia beobachtet diesen Prozeß bange. Voller äußerer Ruhe steht Conny am Ruder und führt das Schiff durch die Klippen. Voller äußerer Ruhe steht sie an der Tür und begrüßt die ersten Gäste, die nach dem 17. März wieder ihre Insel betreten. Doch Euphelia spürt in jeder Federspitze, eigentlich ist Conny gerade ein Bootsmann auf der Scholle. Wenn niemand es sieht, dann kullern dicke Tränen. Das ist einfach nicht ihre Art, ein Hotel zu betreiben. Ein großes Zuhause will sie anbieten. Das Urvertrauen – wo ist es geblieben? Vorsicht, Regeln, Mißtrauen, Maßnahmen, Belehrungen, Angst, Krankheit… dies sind Worte, die in Connys Duden fehlen. Alles in ihr ist verknotet, sie wandelt wie durch ein Nebelmeer durch diese Tage. Charisma sieht ganz anders aus. Noch immer keine farbenfrohe Vision, kein wirkliches Ziel, kein helles Licht am Ende des Tunnels. Irgendwie ist ihre Weste gerade hinten zugeknöpft. Ein einziges Wort rettet Conny in diesen Tagen, welches sie verinnerlicht hat in mehr als 30 Jahren: Verantwortung. Dieses Wort und dieses feste Gefühl dafür läßt sie agieren und am Platz bleiben, gibt ihr die Kraft, Entscheidungen zu treffen. Das wissen auch alle Neune der Gutshotelfamilie um sie herum und sind fest an ihrer Seite und kraftvoll am Ruder.

Torsten ist raus aus seinen Duschen. Wasser läuft und auch ab. Toiletten sind tiefgetaucht, Lüfter nagelneu. Flurbeleuchtungen funktionieren, alle Lampen richtig angeklemmt. Saal für die erste Tagung ist gestellt… Torsten ist der Mann, der einfach immer zur Stelle ist, auch wenn man ihn noch gar nicht gerufen hat. Er ist der Fels in der Brandung auf der Insel Literaturien.

Maxi spürt es wohl am deutlichsten, wie schwer es ihrer Mama fällt, unter diesen Bedingungen zu strahlen. Voller Kraft und Energie tritt sie mit dem ungebremsten Elan der Jugend an ihre Seite. Sie telefoniert stundenlang, erklärt diese neuen Bedingungen, schreibt Formulare, erstellt Listen und Pläne. Maxi geht aus diesen vergangenen Monaten noch mehr als erwachsene Powerfrau mit Weitblick hervor und ist total verzaubert von der Magie dieser Insel.

Das Dreierteam kann gemeinsam nun auch den Mitarbeitern einen Kompaß in die Hand geben. Diese Truppe ist echt ein Genuß. Wie wunderbar verstehen sich Küche und Restaurant – ein Segen für jeden Gast (und für jeden Chef!). Liane kümmert sich um kreative Drinks, die alle Sorgen vertreiben, bedient mit Sorgfalt und Einfühlungsvermögen. Ingo und Biene denken sich in der Küche immer wieder neue Kreationen für die Speisekarte aus, damit die Neugier und der Gaumen gleichzeitig mit Erlebnissen prahlen können. Das Putzen und Räumen wurde nun übergeben an Pia in den Zimmern und auf den Fluren, an Doris in der Küche und an Kerstin im Garten. Alle drei tragen ein ständiges Lächeln im Gesicht, haben sie doch endlich ihre Gutshotel-Familie wieder um sich herum. Und unser Engelchen meistert voller Elan das Frühstück der neuen Art bravourös. Es ist ein Buffet ohne Selbstbedienung. Was für ein Aufwand! Doch mit Engelchen haben die Gäste auch zum Frühstück immer wieder viel zu lachen.

Und so vergeht das erste Wochenende. Die ersten Gäste reisen wieder ab. Alles normal? Nein, weit davon entfernt! Jedoch während der Stunden, in denen Lesewesen im Park oder im Salon, im Gewölbe oder im Wohnzimmer saßen und Aperol Spritz in der Sonne leuchtete und das Buch sich umblätterte, da war es schon ein wenig wie immer. Ein bißchen Zauber kehrt bereits zurück. Euphelia, die sich inzwischen traut, mit beiden Augen in die Zukunft zu schauen, entrollt sich ganz zart und leise schon ein wenig. Das wird, denkt sie sich, das wird!!!!