Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 2. April

Eintrag in das Buddelbuch  2. April

Nichts los hier im Wohnzimmer. Euphelia langweilt sich. Dabei wäre doch jetzt ausreichend Zeit, um am Tagebuch zu schreiben, um Fotos aufzuarbeiten.

Conny sitzt ganz bei ihr in der Nähe am runden Tisch im Wohnzimmer. Sie hat einen großen Stapel Post aus den letzten Tagen vor sich. Es sind Briefe und Karten von Gästen, die gute Wünsche und Kraft schicken. Natürlich, Euphelia hat es schon geahnt, rollen die Tränchen schon wieder bei Conny. Jeder weiß es, sie ist einfach nahe am Wasser gebaut. Wer ihren Papa, den Heinz am Akkordeon kennt, ahnt, woher sie das hat. Sie wird sich bedanken bei allen, doch im Moment erkennt Euphelia ihre Aufgabe von ganz allein, einfach in diese Runde ein großes Danke zu schicken für die Durchhaltewünsche, für die Nähe in der Ferne. DANKE!!!!!!!

In diesem Moment ruft Maxi aus dem Büro. „Schon wieder eine Bestellung!“ Ja, das ist eine ganz wunderbare Idee der Gäste. Sie bestellen schöne bibliophile Dinge in der BuchBar. Euphelia spürt die Freude ihrer drei letzten Mohikaner an Bord. Mit den Bestellungen in der BuchBar kann hier im Gutshotel Geld verdient werden gegen wahre Leistung. Ein toller Gedanke. Im Januar hatten Conny und Charly noch einmal gut für das Ostergeschäft eingekauft. Danke an alle, die diesen Weg nutzen, um sich selbst oder den Nächsten eine Freude zu bereiten. Für uns sind diese online-Bestellungen eine wunderbare Hilfe. DANKE!!!!

www.diebuchbar.de

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 28. März

Eintrag in das Buddelbuch  28. März

Ich möchte ein Leuchtturm sein

in Nacht und Wind –

für Dorsch und Stint,

für jedes Boot –

und bin doch selbst ein Schiff in Not.

Wolfgang Borchert

Euphelia war ganz aufgeregt, als Maxi und Conny angeradelt kamen. Conny hat es geschafft, jubelten Torsten und Euphelia gleichzeitig. Torsten stand wartend auf dem Hügel am Ausguck und hatte die beiden Fahrräder von dort aus bereits entdeckt. Das Lächeln auf den Gesichtern von Maxi und Conny sprach Bände, war breit und strahlend, doch komplett unterschiedlich. Maxi, du Biest, dachte Euphelia, es hat geklappt. Du hast es genau gewußt. Setze deine Mama auf ein Fahrrad und magische Kräfte wirken. Euphelia meinte, ein verschwörerisches Zwinkern von Maxi zu sehen.

Gerade wollte sich Euphelia noch Connys Lächeln genauer anschauen, da war es bereits hinter einem Sektglas verschwunden. Torsten hatte da mal etwas vorbereitet, gleich vor dem Haus auf der Bank. Hatte Conny wirklich Sekt im Glas? Kurz! Macht nichts, dieses Zittern in den Beinen beim Absteigen, welches Euphelia nicht entgangen war.

Doch die Augen sind klarer, stellt Euphelia nun fest. Connys Blick ist nicht mehr so nach unten gerichtet, ein kleines Funkeln steckt schon wieder darin.

„Käpt’n!“ flüstert Euphelia. „Es ist soweit. Du wirst gebraucht an Bord. Nimm neben den anderen beiden deinen Platz auf der Brücke wieder ein. Der Sturm ist rauh, doch Leuchtfeuer allüberall helfen euch bei deiner Fahrt durch die Klippen. Laß die beiden nicht allein im Wind. Käpt’n steh auf, nimm das Steuer in die Hand!“

Und ein bißchen scheint es Euphelia, als ob Conny sie verstanden hat. Als ob sie mit einem fast unmerklichen Nicken antwortet, sehr nachdenklich, den Kopf leicht schief, die Lippen ein Strich, doch den Rücken schon viel gerader.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 26. März

Eintrag in das Buddelbuch  26. März

Euphelia wiegt nachdenklich ihr Federköpfchen. Geht hier schon was oder spürt sie noch immer diese Traurigkeit?

Doch dann kommt Maxi ins Wohnzimmer, begrüßt Euphelia mit einem strahlenden Lächeln. Die große Gästeschar, bestehend aus den Eltern, singt ihr ein Ständchen und da weiß Euphelia, ganz tief im Herzen beginnt ein Aufwärts. Sie werden es schaffen.

Gestern hat Torsten den ganzen Tag im Laub verbracht, bis auf einigen Wegen abends keins mehr da war. Heute stellt er nach einem leisen Gespräch mit Maxi das rote Fahrrad vor das Haus. Es hat sich im letzten Jahr keinen einzigen Kilometer bewegt. Was wird das?

Maxi wünscht sich eine gemeinsame Radtour mit Mama zum Geburtstag. Torsten wird Fahrrad und Mama nach Güstrow fahren, vorher schon Maxi ebenso, denn deren Fahrrad steht in Güstrow. Dann soll zu zweit von Güstrow nach Groß Breesen zurück geradelt werden. Ohje, ohne Zwischenübernachtung?

Nur einmal angenommen, Conny fährt diese Tour, ohne von Torsten eingesammelt zu werden, und lächelt bei Ankunft, so denkt sich Euphelia, dann hat sie es geschafft. Dann wird es einen Plan geben, dann wird sie Boden unter den Füßen spüren, dann hat die Starre ein Ende und Conny vielleicht wieder Worte.

Maxi ist wirklich ein gerissenes Genie.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag – auch von Euphelia.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 22. März

Eintrag in das Buddelbuch 22. März

Euphelia ist wirklich hellwach. Doch es kostet sie große Anstrengungen, alles zu verstehen, was um sie herum vorgeht – oder besser gesagt, was nicht. Nach Sonnabend kam Sonntag – diese Stille! Kein Buch in den Kartons vor der BuchBar hat seinen Platz gewechselt. Jeden Morgen bemerkt Euphelia, wie Conny und Maxi einen Blick über die Kartons schweifen lassen. Dann erst kommt das Erinnern und die Augen senken sich. Euphelia weiß nichts zu tun, außer zu beobachten. Sie kann nicht helfen. Sie kann nur vertrauen, daß die vier stark genug sein werden, um diese Tage zu meistern. Conny schwankt noch zwischen Verstehen und kompletter Mutlosigkeit. Putzen hilft, hat sie gemerkt. Conny putzt. Als ob hinter einer imaginären Schicht aus Schmutz und Staub die Hieroglyphen eines Zukunftsplanes freigelegt werden können. Maxi hält den Kontakt zur Außenwelt aufrecht. Sie beantwortet Mails, ist auf facebook und am Telefon. Euphelia bewundert ihre Klarsicht und die Tatkraft. Die beiden Männer würden wohl Holz hacken, statt dessen schleppen sie Sofas und Schränke und reißen Wände aus. Ja, denkt sich Euphelia, jede Zeit hat ihre zwei Seiten. Diese Familie lebt gerade ein großes Geschenk der gemeinsamen Zeit zu viert. Sie erleben neben eigenen Meisterschaften im Tischtennis, Stunden bei Uno, Skipbo und Rommé, bei Mensch ärgere dich nicht und Ligretto, Abende am Lagerfeuer.

Natürlich merkt Euphelia ihnen die Schwere vieler Entscheidungen an. Da wird Charly in den nächsten Tagen wieder losfahren nach Heidelberg, da sind viele Fragen am Schreibtisch offen. Doch manchmal ist es so sehr wichtig, einfach den Tag zu leben, einfach den Moment. Doch wer hat uns das beigebracht? Immer, immer dreht sich das Hamsterrad. Wer hat uns beigebracht, da auszusteigen? Mit welchem Fuß zuerst? Nehmen wir diese Zeit als Übung, einmal den Ausstieg aus dem Hamsterrad zu meistern.

Schon toll, mit wieviel Kraft diese Blumen unter dem Stein hervor wachsen – und mit Sicherheitsabstand!
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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 17. März

Eintrag in das Buddelbuch 17. März

„Faust! Faust!“ Was ein lautes Rufen werden sollte, wurde ein winziges Zirpen. Ein Zittern ging durch ihre Feder vom Fuß bis zur Spitze. „Faust!“ flüsterte sie noch einmal mit sehr schwacher Stimme.

Euphelia erwachte, noch immer etwas benommen. Ganz, ganz langsam versuchte sie, sich zu erheben. Sie ruckelte und zuckelte, zwar schwach, doch es reichte, um mit Freude zu bemerken, daß ihr kleiner angekokelter Freund Faust noch immer schräg gegenüber in der Glasvitrine an seinem Platz zwischen den Fotobüchern stand.

Es war ruhig um sie herum, total ruhig. Was war das? Obwohl Sonnenstrahlen ihre Federnase kitzelten, gab es keinen Laut um sie herum. Kein Lachen drang an ihr Ohr, kein Rascheln von umgeblätterten Seiten. Hatte sie gar nicht geträumt? Gab es wirklich dieses Schlüsselgerassel am hellichten Tag? Sie schaute zu ihrem Freund Faust hinüber. Er sah traurig aus, ganz in sich gerollt.

„Faust“, flüsterte Euphelia ängstlich in die Stille hinein, „was ist passiert?“

„Sie sitzen draußen am Feuer.“

„Wieso? Die Sonne scheint! Was ist passiert?“

„Sie wärmen ihr Herz. Sie trocknen die Tränen. Sie schauen schweigend in die Flammen und suchen nach Hoffnung und Ideen.“

„Faust! Was ist passiert? Was habe ich verschlafen? So viele schöne Gedanken sind mit mir in den letzten Tagen und Wochen in das große Buch geschrieben worden, daß ich wohlig erschöpft eingeschlafen bin. Sag, was ist los?“

„Ach, Euphelia, es ist schrecklich. Die letzten Gäste reisten heute ab. Danach verschloß Torsten alle Eingangstüren. Unsere beiden Hausherren saßen mit ihren Kindern Maxi und Charly gemeinsam im Büro und konnten es nicht begreifen. Wie unter Schock verfolgten sie die Flut der Mails mit den Stornierungen, folgten sie der Aufforderung, ihr Hotel und das Restaurant auf unbestimmte Zeit zu schließen, letztlich auch als Maßnahme, sich selbst und die Mitarbeiter zu schützen.

So saßen sie einfach beisammen, schweigend, fragend, angegriffen von einem Feind, dem sie nicht in die Augen schauen können. Hilflos, weil keiner die Länge des Tunnels kennt, an dessen Ende das Licht steht. Getröstet, weil sie gemeinsam und vereint in diesen ungewohnten Kampf ziehen.

Wenig später zündeten alle vier unter der strahlenden Sonne ein Feuer im Gutspark an. Mit jedem Holzscheit warfen sie einen ihrer Zweifel und Ängste ins Feuer. Als die Flammen ihren lodernden Tanz begannen, spürten sie, wie ein Zipfelchen Mut, ein Fünkchen Zuversicht ganz in ihnen zu wachsen begann.“

Faust seufzte nach dieser langen Erzählung. Euphelia war sehr ergriffen.

Eine Erkenntnis, sonnenklar, straffte ihr Federkleid.

Euphelia wird Geschichten schreiben über die Erlebnisse, die Tage wie diese lebenswert machen. Wenn der Schock ihre Hausherren nicht mehr lähmt, wenn die Gedanken wieder klarer sind, wenn das Vorgehen für die nächsten Tage einem Plan gleicht, werden Conny und Torsten mit ihren Kindern nicht nur ihre große Gutshotel-Familie, sondern auch ihren Freunden und Gästen wieder Ideen für das „Abenteuer Leben“ mitteilen, werden sie Feenstaub des Lächelns auf die Gesichter zaubern, werden sie Zuversicht, Mut und Gelassenheit mit den Menschen teilen, die ihnen nahe sind.

Euphelia, als Hausschreibfeder der Insel Literaturien, ist plötzlich hellwach.

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