Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 11. Oktober

Euphelia kommt sich vor wie eine große, starke, breite, schwere Schneeschaufel. Dabei ist sie eine zarte, emotionale, leichte Eulenfeder. Sie ist doch die Hausschreibfeder. Euphelia hat ein wunderschönes Füßlein in einem kleinen silbernen Stiefelchen, liebt mondstaubviolett und beobachtet sehr intellektuell von ihrem Posten auf dem Schreibtisch im Foyer aus das Treiben zwischen den Büchern und den Lesewesen. Doch in den letzten Wochen brauchte Euphelia starke Nerven und Muskeln. Immer wieder mußte sie fest an der Seite von Conny und der Gutshotelfamilie Zweifel, Ängste und Unsicherheiten beiseite schieben.

Die Insel Literaturien versucht mit aller Kraft ihren Gästen einen Urlaub zu gestalten, der das Draußen wenigstens für ein paar Tage vergessen läßt. Das geht im Hintergrund nur mit handfestem Tun, mit Anpacken, Zulassen, Abwägen, mit Zweifeln und dann wieder mit Selbstbewußtsein, mit Zusammenhalt, Einsicht und mit Bedacht. Und vor allem mit einer großen Liebe und Hingabe an diesen auserwählten Ort und seine Lesewesen. Den Gästen ein Lächeln in das Gesicht und Wärme ins Herz zu zaubern, das ist die wundervolle Aufgabe, der sich die gesamte Gutshotelfamilie verschrieben hat.

In Büchern wohnt Hoffnung. Sie fordern uns heraus und die besonderen begeistern uns sogar. In manchen realen Lebenssituationen muß Conny ganz hinten um die Ecke schauen, um die Hoffnung zu sehen. Sie muß tief in der Kiste der Möglichkeiten buddeln, um die Herausforderungen zu bewältigen und sich dem Abenteuer Leben voller Begeisterung zu stellen, denn halbe Kraft kann sie einfach nicht.

Verläßlich und konstant ist gerade der Wandel. Steht Conny am Morgen auf, ist sie gespannt, was der neue Tag wohl bringen mag. Früher gab es Buchungslisten für das Hotel. Heute gibt es das Radio am Morgen, Postleitzahlen, Anrufe und vieldiskutierte Entscheidungen. Auch eine Art von Abenteuer, denkt Conny manchmal. Sie mag spannend.

Früher gab es mehr Sicherheit, Beständigkeit … Wenn Conny sich diesen Satz so durchliest – boh, was für ein Quatsch. Wer hoch steigen will, muß es gegen den Wind tun. Gerade in den letzten Tagen hat sie mit Gästen gemeinsam in den alten Fotoalben geblättert. Da lagen sie ganz offen vor ihr – die Jahre voller Unsicherheit, voller Unwissenheit und Unbeständigkeit – na also, sie kennt es doch, sie kann es doch. Da war schon früher oft ein steife Briese von vorne. Steigen war Pflicht, um auf Flughöhe zu kommen. Doch zum Glück verliert Conny nur ganz, ganz selten ihre Unbeschwertheit, denn die ist die wichtigste Medizin für alle hier im Bücherhotel. Lachen, knuddeln, die Nähe, Conny – das Kind – mitten drin. So gehört es sich hier eigentlich. Sie sagt nicht, daß es immer leicht war, daß sie nie zweifelte, ob sie gerade die richtige Rolle als Hauptrolle gewählt hat. Viele Texte waren zu lernen als Mama, Gastgeberin, Geliebte, Ehefrau, Tochter, Unternehmerin, Chefin, …  Sie glaubt bis heute nicht, daß sie immer alles gut gemacht hat, wenn inmitten von Veränderungen der Kurs gewechselt werden mußte.

Doch die Unbeschwertheit hält sie in Flughöhe.

Läuft gerade voll doof da draußen? Na, dann laß uns erst recht ein Bild malen von der Zeit danach. Da ist wieder diese unbeirrbare Neugier auf Möglichkeiten. Geht nicht – gibt’s nicht. Wenn es so nicht geht, laß es uns anders machen – aber machen. Mit Torsten, Maxi und der Gutshotelfamilie hat sie voll und ganz die richten Gefährten an ihrer Seite. Spannend und Spaß haben – fast ein Mantra für alle, die Conny näher kennen.  

Euphelia hat gemerkt, wie Conny sich im September hinein steigerte in diese Angst vor dem lichtlosen Tunnelende, in diesen Frust, nicht selbst entscheiden zu können, sondern den Nachrichten glauben zu müssen. Wie diese ständige Frage nach dem Warum sie förmlich lähmte. Kein Wunder, daß Euphelia nicht mal einen Tropfen mondstaubviolett ziehen konnte, denn Conny hatte mal wieder die Luft angehalten. Doch, so wie der Spätsommer sich als fünfte Jahreszeit verabschiedet und die Bühne dem Herbst überlassen hat, so klar werden auch die Gedanken in Connys Kopf. Endlich nutzt sie die Chance der Veränderung in den Abläufen des Hotels, um selbst Neues zu lernen. Zum Beispiel pflegt sie eine enge Freundschaft zu Edoard und Edelgard (gut gefütterte Sauerteige aus Roggen und Weizen).

Irgendwie, so denkt Conny, hat sie doch was verpaßt, wenn sie aus dieser einmaligen Zeit, die es vorher noch nie in der Geschichte gab, als die gleiche Person auftaucht, nur älter. Dieses Jahr gibt ihr die große Chance, neu zu reflektieren, was wirklich wichtig ist in ihrem Leben. Dabei ist es so interessant zu spüren, daß es immer wieder die verrückten Träume und Ziele genau hier in Groß Breesen sind, die Conny antreiben. IHR Ort. Wenn sie mit ihrem Torsten gemeinsam den Gästen bei den Hausführungen ihre Kleinode zeigt, wenn sie bis zum Wagon in Eulenhausen kommen und sie diesen Literaturpark schon angelegt und blühend vor sich sieht, dann ist das die Energie eines Kraftwerkes. Keiner soll diese Insel Literaturien unverändert verlassen. Sie möchte Kraft und Licht und Optimismus ihren Gästen mit nach Hause geben, ein Lächeln für die Hosentasche. Sie möchte ihre Vision mit ihnen teilen, damit der Funke überspringt auf die Freunde, die mit dieser Magie lässiger und fröhlicher ihren Alltag leben können. Natürlich auch mit einer Sehnsucht, bald wieder in Groß Breesen anzukommen, um einen Kanister Frohsinn zu tanken. Da erscheint wieder so ein Bild, wie lustig. Conny als Tankwart – das kann sie sich total gut vorstellen. Wieviel Liter neue Ideen sollen es sein? Super oder normal? Scheiben wischen bis zur Klarsicht? Ha, und gaaanz wichtig: Modell völlig egal, Kleinwagen oder großspurig, hier bekommt jeder etwas mit für die weitere Reise.

„Es ist etwas Besonderes um Menschen, die am gedruckten Wort Interesse haben. Sie sind eine eigene Spezies: kundig, freundlich, wißbegierig – einfach menschlich.“ Nathan Pine

Übrigens brachten Ramona und Peter eine kleine Schallplatte mit, eine Hymne sozusagen auf den Wagon („Monsieur Dupont“ von Manuela), die sehr dazu beitrug, daß Connys Gehirnwindungen Fahrt aufgenommen haben. Euphelia glaubt, da kommt noch ein Zug ins Rollen in der nächsten Zeit. Monsieur Torsten, halt lieber den Wagon fest!

Gute Fahrt in die nächste Woche!!!!

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Eintrag in das BuddelBuch – Euphelia am 29. August

Euphelia spürt einen Hauch von Ruhe über ihrer Feder. Das ist keine Langeweile und erst recht keine Resignation. Euphelia hat das Gefühl, daß die Gutshotelfamilie einen eigenen Weg im Dickicht gefunden hat. Die ersten Wochen fehlte dieser innere Frieden, weil Conny so sehr versuchte,  die Welt zu ändern und ihren Vorstellungen anzupassen. Das war Anstrengung, innerer Kampf, ständiger Vergleich, auch Angst und Rückschau. Jetzt sind bereits beide Sommermonate vergangen. Das Leben spielte sich fast komplett draußen im Park ab. Es war heiß, der Hof recht verwildert, um der Trockenheit ein wenig zu trotzen und vielleicht auch, um den Rebellen in Conny experimentieren zu lassen. Doch immer mehr durfte der Alltag einfach so sein, wie er war. Conny ignorierte die kopfstehende Welt um sich herum wahrlich nicht, doch sie brauchte eine lange Phase, um sie anzunehmen. Annehmen bedeutete für sie, den Wecker zu hören, ihn abzustellen und aufzustehen. Sie hat wieder einmal gelernt, Hilfe anzunehmen – von den Mitarbeitern, von der Familie und von Gästen, die ihr die Brücken zeigten von ihrer Insel Literaturien zum Festland.

„Warum verbringen wir soviel Zeit damit, uns auf den Zeitpunkt vorzubereiten, zu dem wir tun können, was wir möchten, anstatt es einfach sofort zu tun?“ las Conny bei John Strelecky.

Hier gibt es diesen Ort, an dem wir uns fallen lassen können, an dem keiner eine Rolle spielen muß. Ein Ort, der wahrhaft ein bißchen anders ist – insulanisch. Immer mehr merkt Conny gerade, daß dies ja auch für sie selbst zutrifft. Sie wollte schon immer Brot backen. Nun gibt es Sauerteig Edoard und schon eine Vielzahl verschiedener Brote, die den Reifeprozeß von mehr als 24 Stunden mit einem zauberhaften Geschmack danken. Sie wollte schon immer mal mitten am Tag einfach sitzen und lesen. Man findet Conny im Park! Sie wollte schon immer mal Kleider tragen. Macht sie und ganz oft in bunt. Sie wollte schon immer mal lange Fahrrad fahren. Sie ist noch zu faul. Man findet das Fahrrad im Schuppen.

Die ersten Lesungen fanden statt und alle merkten miteinander, wie sehr die Gespräche im Anschluß doch gefehlt hatten, das Beieinander am Lagerfeuer, das gemeinsame Lachen. Ein toller Höhepunkt war unser Osterwochenende im August, unsere Osterkaffeetafel mit den Osterfrauen im Tintenfaß bei Eierlikör und köstlicher Eierschecke von Renate und Bernd.

Aus diesem Zusammensein mit Stammgästen (Stammis genannt) und ganz neuen Entdeckern unserer Insel  Literarturien unter ganz neuen Bedingungen entstehen gerade ganz neue Beziehungen, Ziele, Visionen. Weniger Menschen auf dem Hof heißt gerade so gar nicht Langeweile, sondern bedeutet Kühnheit, sich auf das eigene persönliche Wachstum zu fokussieren.

Es reicht nicht, die Liste zu erweitern mit der Überschrift: Was wolltest Du schon immer einmal tun?

Sondern Du mußt ins Tun kommen, Termine machen und diese mit Dir selbst einhalten.

Das ist schwer?

Na klar!

Na und?

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Eintrag in das BuddelBuch – Euphelia am 16. August

Euphelia hüpft vor lauter Freude und Übermut von einem Füßlein auf das gleiche. Endlich, nach so vielen Wochen der Enthaltsamkeit deckten Maxi und Conny eine Tafel ein. Die ganze Gutshotelfamilie war aufgeregt. Die erste Familienfeier nach diesen vergangenen Monaten. Dabei sind sie Vollprofis in der Durchführung von Festen aller Art. Doch diese war nun die erste Feier in der neuen Zeit.

23 Gäste, die alle hier im Hotel übernachten, an einer ländlichen Tafel im Park unter den alten Kastanien. Bei Conny sah man schon wieder Tränen, als alles fertig war und das Silberpaar nach dem Kirchgang in Lohmen hier den Hof betrat. Ganz wunderbar die Reaktion der Gäste, die um die Tafel herum standen und sich nicht satt sehen konnten. Die Gesellschaft paßte zur Aufregung der ersten Feier. Entspannt und sehr harmonisch, mit Kutschfahrt und Tischtennis, mit Grillabend, Lagerfeuer und hausgemachter Musik.

Neun Wochen sind seit der Eröffnung bereits vergangen. Die Zeit flog dahin. Das Wetter – sonst im Gutshotel niemals thematisiert – spielte ihnen diesmal wirklich in die Karten, denn das Leben fand eigentlich komplett draußen statt. Es gab schon einige Höhepunkte während dieser Zeit. Der Heinz am Akkordeon spielte auf am Lagerfeuer, denn die Eltern von Conny verlebten ihren Urlaub hier für eine Woche. Student Charly mit seiner Freundin Sarah waren soeben auch für eine Woche zu Hause. Ein halbes Jahr lag fast dazwischen, welches jeder für sich hier in Mecklenburg oder in der Studentenstadt Heidelberg völlig unterschiedlich reflektierte. Da näherten sie sich einige Stunden zunächst vorsichtig an mit erwachsenen Gesprächen auf Augenhöhe. Wie sehr solche Zeiten doch auf  Entwicklungen, Gedanken und Gefühle einwirken. Conny hatte darüber nicht ausreichend nachgedacht und es brauchte ein wenig Zeit für das Update. Für Conny war es das sichere Zeichen, daß viel mehr Kommunikation wichtig ist untereinander, ob Familie oder Freunde, damit verstanden wird, was hier gerade mit allen und mit jedem einzelnen passiert.

Ein zauberhaftes Erlebnis war die VollmondLesung am 3. August. Mit den Kanus paddelten sie auf dem Krakower See durch die Nacht. Picknick, Obst, Wein und Texte im Gepäck. Den Sonnenuntergang, die Stille und den vollen Mond über dem See werden die Paddeler lange nicht vergessen.

Als Conny im letzten Jahr ihre Texte schrieb für die Arrangements im Jahr der Kühnheit, ahnte sie noch nicht, wie sehr sie in die Zeit passen können. Dieser Ort wird immer mehr ein Königreich für bookoholiker.

„Groß Breesen ist ein einzigartiger magischer Ort, dessen Zauber nicht zwischen alten Steinen und verwunschenen Hügeln liegt, sondern zwischen Buchdeckeln. Dies ist ein Königreich für Buchlinge und Lesewesen, die ohne das geschriebene Wort nicht leben können. Die vermeintlich stille Welt hinter den Buchstaben lockt Euch in dieses kleine Dorf, in welches Ihr Euch früher nicht einmal versehentlich verlaufen hättet. Nun könnt Ihr Euch hier in dem dichten Durcheinander von Regalen, Kisten, Kästen und Haufen von Büchern verfangen und einspinnen lassen. Hier bekommen die Bücher ihre eigene Stimme, weil Ihr ihnen erlaubt, wichtig zu sein. Die bookoholiker unter Euch, die also, die schon lange süchtig sind nach Wort und Satz, folgen stundenlang dem Ruf der Bücher, stöbern und philosophieren mit Gleichgesinnten und lassen die reale Welt außerhalb der Bücher weit hinter sich zurück.“

Euphelia hüpft nicht mehr, sondern spürt plötzlich ganz warm und sicher und mit innerer Ruhe in sich hinein:

Ja, das ist der Zauber des Bücherhotels.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 17. Juli

Euphelia verteidigt ihren neuen Stammplatz im Foyer unweit vom Eingang. Der gefällt ihr. Hier liegt das Gästebuch und außerdem bekommt sie am besten die erstaunten Ausrufe der Anreisenden mit, wenn diese erstmals die umgebaute Etage bemerken und sehr begeistert alle Details in Augenschein nehmen. Luftig, hell und  wahrhaft bibliophil sieht es hier aus.

An manchen Tagen kribbelt es ihr in der Feder, einfach drauf los zu schreiben, an anderen bemüht sie sich um einen klaren Gedanken und vor allem um einen roten Faden. Man könnte ja denken, alles geht ganz beschaulich. Die Gäste kommen und gehen, die Zimmer werden geputzt, das Essen wird gekocht, der Wein eingeschenkt. Guten Tag, Auf Wiedersehen – aber irgendwie ist es ganz anders, von Routine gar keine Spur.

Immer noch ist vieles anders. Die Organisation aller Abläufe nimmt weiterhin sehr viel Zeit in Anspruch. Wie ein neues „Normal“ aussehen wird, wissen sie nicht. Doch da ist nicht mehr dieses Hadern, nicht mehr diese Ungeduld. Immer mehr kommt die Gutshotel-Familie in diesem neuen „Anders“ an. Jeder nimmt seine Aufgabe wahr und seine Verantwortung ernst, bringt neue Ideen ein und fühlt sich als ein Teil dieser ganzen zauberhaften Insel Literaturien.

Es gibt ganz schöne, manchmal überraschende Glücksmomente, von denen Euphelia gern berichten möchte:

So kam an einem Wochenende Carmen E. ins Haus, sah Torsten und rief durch das ganze Wohnzimmer: „Wie siehst Du denn aus!“ , sah Conny, hob die Augenbrauen und stellte laut und deutlich klar: „Ich habe die Schere mit. Morgen nachmittag im Park. Wir haben zwei Termine!“ Carmen schnitt, der Wind fönte, alles schick. Februar ist eben doch schon ein paar Tage her.

An allen möglichen und unmöglichen Stellen im Park entdecken wir Vögel, die hier ihren Nachwuchs brüten und füttern. Spüren sie die Ruhe, die über dem ganzen Ort liegt? Ist es die Wildnis, die Insekten und Vögel anzieht? Wir hören Vogelstimmen, die uns völlig neu sind. Nun hat Torsten sich entschlossen, in diesem Sommer nur Wege zu den Bänken und Sitzplätzen zu mähen. Alles andere bleibt so wild. Es sieht überall im Park bunt aus und der Rasen ist nicht verdorrt. Sicher wird manch ein Gartenordnungsliebhaber verwirrt mit dem Kopf schütteln, egal – wir wagen ein Jahr lang dieses Experiment. Schauen wir mal, welche Leseplätze wir entdecken auf diese Weise und welche Pflanzen wie blühen, die vorher schon längst entfernt worden wären.

Der Hochzeits-Kirschbaum von Familie Lange vorne im Garten trug herrliche Kirschen. Wir naschten zum Glück noch reichlich, um uns vom guten Geschmack zu überzeugen. Scheinbar hatten die Stare das Hhhmm gehört. Eine Nacht später war der Baum komplett leer. Das Netz lag schon daneben – wir waren einen Tag zu spät.

Diese Woche erhielten wir die erste Namensliste für eine Tagung im nächsten Monat. Wir haben es regelrecht gefeiert. Eine Namensliste!!! Also nimmt auch dieser Bereich wieder Fahrt auf. Natürlich müssen wir uns nun darum kümmern, ob wir mit den Abständen hinkommen, wie die Tische für die Mahlzeiten stehen dürfen, wie das Frühstück abläuft. Doch wenn wir eines gern tun, dann kümmern. Sogar ein Paket mit einem Obstbaum für die Obstwiese in Eulenhausen traf bei uns ein. Ableger für den Garten werden mitgebracht, Bäume beschnitten, Tische selbst abgeräumt. Manchmal, so denkt Euphelia, ist es wirklich wie nicht von dieser Welt, wie in einer wunderbar harmonischen Gemeinschaft.

Als Christiane S. aus V. hier eintraf, zeigte ihr Kennerblick beim Besuch der BuchBar hier im Wohnzimmer, daß unbedingt aufgeräumt werden muß. Da wurde nicht lange gefackelt, sondern sogar auf den Knien gab Christiane den zusammenpassenden Kollektionen neue Plätze. Es wurde wieder überschaubar und so manch ein Schätzchen kam ans Tageslicht.

Unser Online-Shop „Die BuchBar“ wird noch immer gut besucht und hilft uns total in dieser Zeit, wo das volle Geschäft im Hotel nicht anlaufen kann. Mit den Gästen, die hier vor Ort den Laden besuchen, tauschen wir uns aus, was wohl noch gewünscht wird. So werden wir auch in den nächsten Wochen weiterhin an der Erweiterung des Sortiments arbeiten. Ein Besuch online bei den bookoholikern wird also immer wieder spannend bleiben.

Das Gefühl, es gerade genau richtig zu machen, geben uns immer wieder die Abende. Ob im Gewölbe, im Salon oder im Park – die Gäste genießen diese entspannte Stimmung und wir mit ihnen gemeinsam.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 2. Juli

Euphelia kann es nicht fassen. Das geht doch gar nicht. So schnell kann man nicht ÖFFNUNG sagen, da ist der Juni auch bereits vorbei. An allen vorbei gerauscht, daß man nur ein Zischen hörte. Und doch braucht Euphelia Conny nur anzuschauen, dann sieht sie und grinst, Conny war noch immer nicht zum Friseur (Torsten sieht schon wie ein echter Künstler aus!). Doch sie sieht auch und wird ernst, es waren lange, gedankenschwere 19 geöffnete Tage in diesem einzigartigen Juni, der erst in der Mitte begann. Die meiste Zeit hatte Euphelia im komplett umgebauten Foyer die Chance, alle Informationen aus erster Hand zu bekommen. Für Conny war es unübersehbar am wichtigsten, allen Gästen einen Urlaub zu bieten, der dieses Wort auch verdient. Ihr großes Vorbild war, wie schon so oft, ihr großer Bruder. Er hatte damals als Artist immer gesagt: „Keiner der Zuschauer darf spüren oder sehen, wieviel Schweiß, Anstrengung, Training und harte Arbeit uns ein perfekter Auftritt auf der Bühne kostet.“ Genauso möge es Connys Gästen ergehen. In dem Moment, wenn sie die Insel Literaturien betreten, soll die Welt da draußen auch wirklich draußen bleiben.

So viele Einzelheiten, Abläufe, Details mußten neu durchdacht und definiert werden, um diesen hohen eigenen Anspruch zu erfüllen. Wahrlich, es sind einschneidende Veränderungen, die eine große Portion Mut und Kühnheit verlangen. Tja, das Jahr der Kühnheit. Doch die ersten drei Wochen der neuen Zeitrechnung haben gezeigt: Die Kühnheit, auf einem sehr schmalen, sehr geraden und sehr ehrlichen Pfad zu starten, zahlt sich zwar vielleicht nicht in Form eines tollen Eurokontos aus, doch diese Kühnheit gibt den Gästen den erforderlichen doppelten Boden, das Netz unter dem Hochseil, um sich wirklich – und wenn es sein muß sogar mit dem Buch in der Hand – einfach entspannt fallen lassen zu können. Das zählt für Conny an erster Stelle und sie weiß, sie hat die ganze Gutshotelfamilie bei dieser Denkweise geschlossen an ihrer Seite. Gemeinsam meisterten sie diesen Neustart mit dem ihnen eigenen Zusammenhalt. Das fortwährende Putzen und Räumen nun im Hintergrund wurde unterlegt von Respekt, Harmonie und einem anfangs chaotischen Miteinander, alle bedacht, Gutes zu tun.

So manchen Abend stand Conny, das Frauenzimmer, in ihrem Frauenzimmer am Stehpult, blickte über die Felder und dachte über die Zukunft nach. „Was will ich werden, wenn ich erwachsen bin?“ dachte sie. Denn irgendwie fühlten sich diese ersten Tage wie ein Versuch in Kinderschuhen an.

Doch allmählich entwickelte sie mit ihrer wundervollen Truppe um sich herum und den vielen abstandsherzlichen Begegnungen mit alten und neuen Freunden und Gästen ein Gefühl für so eine Art Alltag. Auf der Insel Literaturien halten sich die Lockerungen weiterhin in Grenzen. Es haben nur Übernachtungsgäste Zutritt. Das Restaurant, der Gutspark, die Bücherscheune bleiben für alle Tagesgäste geschlossen. Das ist kühn, das weiß Conny. Das ist vielleicht nicht wirtschaftlich, das ahnt Conny. Aber es ist verdammt ehrlich, das braucht Conny. Dies gibt ihr die Kraft, das Lachen neu zu entdecken, das Strahlen und die Leidenschaft, diesen Ort zu schützen und als Gastgeberin zu ehren.

Es gab eine erste Lesung im Gutspark zu Mittweihnachten am 24. Juni. Conny bekam sogar Geschenke und endlich – und das war das größte Geschenk – war das Lagerfeuer wieder Mittelpunkt fröhlicher Gespräche.

Im Gutspark spielt sich das meiste Leben ab. Hier wird gefrühstückt, gelesen, mittags geschlafen, geplaudert und angeregt diskutiert, gelacht und gestrickt, einfach nur gesessen, lecker gegessen und manch ein köstlicher Schluck getrunken. Eine Wohlfühlstimmung liegt über dieser Insel. Man bleibt auf Abstand und genießt eine unaufdringliche, liebevolle Nähe. Die Gutshotelfamilie darf endlich wieder verwöhnen, und sie tut es mit Inbrunst.

Gab es für Euphelia einen magischen Moment in den letzten Tagen? JA!

Conny war noch immer so nachdenklich, bedrückt gar, ängstlich vielleicht, unentschlossen wahrscheinlich. Da gab es diesen Moment, als Maxi sie in den Arm nahm, sprichwörtlich gleichzeitig das Paddel in die Hand und sprach: „Mama, im August möchte ich an Vollmond abends auf dem See wieder paddeln. Wenn Du vorliest, kümmere ich mich um alles andere!“

Dieser Satz war wie ein Weckruf für Conny. JA, sie wird lesen an Vollmond im August im Kanun auf dem See am Abend. Und ja, Maxi kümmert sich – nicht nur um diese Tour, sondern mit Bravour um Steueränderungen, Listen, Pläne und Tabellen – und um Menschen. Und ja, in Conny beginnt es zu brodeln. Im Frauenzimmer am Stehpult entstehen neue Ideen für Kurse, Lesungen, Abende. Sie denkt an Schreibende, an Fotofreunde, Buchbinder und Schönschreiber, an Träumer und Lesende, an Reisende und Radfahrer, an Sterngucker und Gartenfreunde. Sie träumt und lächelt.

Und Liane spürt es und sucht Weine aus und Cocktails. Fruchtig, Brombeere, eisig – sie kennt Conny und ihre Gäste. Und Ingo spürt es und schreibt Menüfolgen für besondere Anlässe. Und Torsten spürt es und bereitet vor, räumt hin und her, bereitet nach und ist immer schon da, wenn Conny ihn gerade rufen will. Und so geht es der ganzen Gutshotelfamilie. Sie spürt diesen Ruck. Es geht vorwärts. Es wird wieder spannend. Es wird kühn. Leise zwar, klein, eigensinnig im wahrsten Sinne, doch es wird kühn.

Wer dabei sein wird, wer sich darauf einläßt, wird seinen Spaß haben.

Euphelia, die echte Eulenfeder, die Hausschreibfeder, hat plötzlich Gänsehaut am ganzen Federpuschel.

Über diesen Satz muß nun sogar Conny schmunzeln.

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