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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 1. April

Euphelia will schreiben. Warum kann sie nicht einfach Tinte ziehen und loslassen? Einfach fließen lassen? Connys Enkelin Pia hat es ihr mit ihrer Nachbarin, der Glasfeder, vor ein paar Tagen vorgemacht. Glasfüßchen in das Faß getaucht, und schon schrieb die kleine Pia eine wunderschöne Geschichte in mondstaubviolett.

Euphelia will das auch. Doch niemand taucht ihr Füßchen in die Tinte. Natürlich versteht sie, daß diese letzten Wochen für Conny ein nochmaliges Werfen aus der Bahn bedeuteten. Jeder weiß, daß Conny keinen Krimi liest, keine spannenden Filme schauen kann. Dieses reale Grauen ist für sie selbst nicht mit Worten zu beschreiben. Sie fühlt sich plötzlich klitzeklein, hat Angst, so viel Angst. Das Herz ist dauerschwer. Die Inhalte der Gespräche beugen den Rücken. In dem Wort Krieg steckt das Wort Gier. Ob da nicht so manch einer der aktuellen mächtigen älteren Herren eine Ambition für hat? Gier kann Menschen zu mörderischen Tieren machen. „Der Besuch einer alten Dame“ von Dürrenmatt ist ein mahnendes literarisches und filmisches Beispiel (mit Christiane Hörbiger).

Manchmal möchte Conny irgendjemanden fragen, um sich sagen zu lassen, wie es weitergehen kann in einer Welt, in der nichts mehr so ist, wie vorher. Wen kann sie fragen? Wer gibt ihr eine Anleitung? Einen Leitfaden? Gibt es noch eine Strategie? Oder nur Taktik, um immer schnell den Kurs ändern zu können? Pandemie – zweite Abfahrt links, Krieg – nächste Abfahrt, was kommt noch? Sackgasse? In solchen Momenten fühlt sie sich einsam. Dabei soll sie doch diejenige sein, die ihren Mitarbeitern die Glaskugel ersetzt und klare Wege und Ziele aufzeigt.

Conny wird langsam bockig. Rupi hat ihr gesagt, Sprachlosigkeit ist Mist und Deep Depression bringt nichts. Recht hat er und ein wunderschönes Kinderbuch verfaßt „Der Roboter Archimedes“, ein Kinderbuch gegen Putins Krieg und gegen Kanonenkönige. https://ruprechtfrieling.de/der-roboter-archimedes-und-der-kanonenkoenig/

Conny muß lernen, diese erneuten Veränderungen zu akzeptieren und sie muß aus der Starre der Wortlosigkeit erwachen. Sie braucht einen Plan, eine Sicherheit. Erfolgreiche Jahre, die hinter ihr liegen, entstanden nicht durch Zufall. Sie waren das Ergebnis  sorgfältiger Planung, strategischer, meistens langfristiger Entscheidungen. Und eine Menge Arbeit. Conny scheut keine Arbeit, sie liebt ihre von ganzem Herzen. In den letzten zwei Jahren standen zwei Wünsche ganz oben auf der Prioritätsliste in allen Briefen, Telefonaten und Mails: BLEIBT GESUND! und BLEIBT UNS ERHALTEN! Ist das jetzt noch richtig? Wichtig? Darf Conny noch an sich selbst denken, wenn sie doch täglich erschauert bei den bestürzenden Bildern, vor denen sie ihre Augen nicht verschließen kann? Darf sie lächeln, wenn sie am Morgen in den Spiegel schaut, sich auf den Tag freuen?

JA! JA! Und nochmals JA!!!

Mehr denn je muß sie auf sich selbst aufpassen. John Strelecky sagt: „Ich verändere die Welt, indem ich die authentischste Version meiner selbst bin. Allein das inspiriert andere dazu, ihrem eigenen Herzen treu zu bleiben. Und das verändert die Welt.“

Conny muß gesund bleiben – körperlich und herzlich und seelig. Und vor allem muß sie bei sich selbst bleiben, um für alle anderen diese Insel zu einem besonderen Ort zu gestalten.

Genau auf dieser Insel ist in den letzten Tagen wieder soviel passiert. Ein wichtiges Ereignis: Der Frühling hat schon mal zwei Vorboten geschickt, nämlich  Connys Eltern. Nun ist die Auffahrt voller Farbe und Zuversicht.

Anfang März wagte sich die Gutshotelfamilie an eine erste Veranstaltung. Only Ladies waren unterwegs mit einem tollen Butler.

Diese gelungenen und voller Lachen gestalteten drei Tage gaben Auftrieb für mehr. Ende März trafen sich liebe Gäste zum ersten FreundeWochenende, räumten in der Bücherscheune auf und waren fleißig in Eulenhausen und im Gutspark.

Dieses freudvolle Miteinander, diese Harmonie von Menschen, die sich irgendwann alle mal hier in Groß Breesen kennenlernten, führte dazu, daß Conny sich mehr und mehr darauf einlassen kann, wieder achtsamer auf das Hier und Jetzt zu werden, produktiver und auch eine Spur von gelassener, optimistischer.

Voller Freude durchstreift sie die weitläufige Fläche von Eulenhausen. Alle Obstbäume haben den Winter gut überstanden. Die kleinen Naschsträucher recken und strecken sich. Die große Wiese für alle Sternengucker wurde vom Nachbar Silvio gemäht. Bei dieser modernen Technik von Silvio mußte sogar Torsten mit seinem wundervollem Eulo der Recke neidlos und dankbar Hochachtung zollen.

Der wohl größte Höhepunkt für Eulenhausen in den vergangenen Wochen ist die Fertigstellung des Brunnens.

Noch ist kein Frosch zu sehen, auch keine goldene Kugel. Jedoch läuft Wasser, und das ist ein Riesenerlebnis für einen Brunnen. Dank einer anonymen Spende konnte der Verein den Großteil des Brunnens bereits anzahlen. Für den Rest reicht noch die Vereinskasse. Danke an alle, die den Verein auf brillante Art und Weise unterstützen und diese Insel Literaturien zu etwas ganz Besonderem machen. Und dieses Danke sei verbunden mit der Bitte, WEITER SO!!!!

Der Mecki hat den Gästen bereits tolle Brote gebacken und Torsten als Ofenmeister freundet sich immer mehr mit ihm an. Und die Brote werden von einem starken Edoard (der Roggensauerteig) und einer grazilen, manchmal bißchen zickigen Edelgard (die Weizensauerteig) verläßlich aufgeplustert. Das zu Vollkornmehl gemahlene Getreide holt Conny sich aus der Mühle in Altkahlen. Brot ist wirklich eine neue Passion hier im Gutshotel geworden.

Achja, und was das Werfen aus der Bahn angeht, so waren Conny, Torsten, Maxi und Oli vor einigen Tagen auf einer Bowlingbahn. Völlig verzückt hat Conny festgestellt, daß die Kegel nur umfallen, wenn die Kugel auf der Bahn bleibt und mit frohem Schwung ihren geraden Lauf nimmt. Es ist ihr zwar nicht so oft gelungen, aber sie hat es begriffen. Bowling ist wirklich ein philosophischer Sport. 

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 16. Februar

Euphelia flattert unruhig. Da räumt Conny in den Büchern, dort zurrt  Torsten die letzten Riemen fest. Im Park schaut Kerstin, ob alle möglichen Flugobjekte gesichert sind. Nicole ist gerade wieder angekommen, hat zu Hause die Familie versorgt und nimmt jetzt hier ein Zimmer, um als Frühstücksengelchen dem aufziehenden Sturm ein Schnippchen zu schlagen.  Bine werkelt in der Küche, Maxi sichert die Daten, falls die Stromleitungen nicht durchhalten. Der Wind pfeift durch die Lüftungsklappen. Die Mädels rücken näher zusammen, Spiele stehen bereit.

Immer mal wieder ein Blick in den Park. Die alten Bäume halten sich tapfer. Der Vollmond ist hinter einer dicken grauen Wolkendecke verschwunden. Der will als Schneemond mit dieser über alles liegenden Farbe grau nichts zu tun haben.  Der Schneemond, der heute um ca. 17.57 Uhr seinen höchsten Punkt am Himmel erreicht hat, steht unter dem Zeichen des Löwen und für innere Einkehr, spirituelle Offenbarungen und neue Erkenntnisse. Das astrologische Himmelsereignis führt dazu, dass sich die Sternzeichen mehr mit sich selbst beschäftigen. Vergangene Entscheidungen werden bewertet, bestehende Konflikte überwunden und neue Ziele gesetzt. Stier, Jungfrau und Steinbock sind im Element Erde geboren und eigentlich die Macher*innen unter den Sternzeichen. In den kalten Wintermonaten haben sie es sich sehr bequem gemacht und viele der To-do’s unnötig lange aufgeschoben. Unterbewusst hat ihnen das ganz schön zu schaffen gemacht und am Selbstbewusstsein genagt. Die Energie vom Schneemond hilft den in diesen Sternzeichen Geborenen ihre unterbewusste und diffuse Unzufriedenheit anzugehen und zurück zur eigentlichen Power und Kraft zu finden. Da erledigen sich die To-do’s für den Rest des Jahres 2022 wie von selbst? Nein, nein, Conny wird ab morgen diesen Prozess lieber selbst in die Hand nehmen. Heute macht sie es sich jedoch ganz kuschelig, nimmt ihr Strickzeug und lauscht eingemummelt dem Tosen da draußen.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 14. Februar

Euphelia zieht so tief den Duft ein, daß sie beinahe ein ganzes Stück größer wird. Noch immer sind alle aufgeregt, wenn ein Brot seinen frischen Geruch durch das Haus verströmt. Inzwischen backen Engelchen, Liane und Conny jede ihre AllerliebstBrote. Conny hat jetzt oft am Abend ihren Freund Edoard an ihrer Seite, damit er vor der Nachtgare genug Wärme bekommt. Torsten hat sich mit Edoard arrangiert. Dabei begann diese Liebe zum Brot und vor allem zum eigenen Backen des Brotes ganz simpel vor drei Jahren bei einer Reise gemeinsam mit Connys Eltern.

Connys Eltern sind keine Außerhausfrühstücksesser. Sie sind in dieser Beziehung sehr konservativ, was ihnen mit über 80 gelebten Jahren auch zusteht. Doch auf einer gemeinsamen Reise zu ihrem Enkel Charly nach Heidelberg vor drei Jahren sprangen sie regelrecht über ihren Schatten, mehrfach sogar. Einmal blieb Conny lebhaft in Erinnerung.

Sie hatten für eine Zwischenübernachtung ein Apartment in Weimar gemietet – ohne Frühstück. Also begaben Sie sich am Morgen auf die Suche nach frischen Brötchen. Ihre Eltern erklärten fest, mitkommen zu wollen. In einer kleinen Straße, das Wetter war schön, die Sonne beschien genau diese Straßenseite, saßen junge Menschen, Studierende, Männer mit Maurersachen und Mütter mit ihren Babywagen auf dem Fenstersims und auf kleinen Stühlen an kleinen Bistrotischen. Es wuselte und von weitem fragten sie sich, welche Besonderheit diese ganzen verschiedenen Menschen an diesen Ort zieht? Mit jedem Schritt gab ihnen ein intensiver werdender Geruch die Antwort. Noch nie hatte Conny so bewußt den Duft nach frischem, warmem Brot vernommen. Sie wollte auf der Stelle stehenbleiben. Sie wollte unbedingt dieses erste Mal festhalten, nicht dichter kommen, vielleicht diese einmalige Begegnung mit diesem zauberhaften Duft noch ein wenig bewußt erhalten. Conny hatte keinen Blick mehr für ihre Familie, obwohl sie zu fünft unterwegs waren. Sie ließ sich in diesem Zauberduft nach Harmonie, nach Urvertrauen einfach mitreißen. Mit einem langen Atemzug, als ob sie für immer alle Sensoren in der Nase, alle Härchen mit diesem Empfinden verankern könnte, trat sie wie magisch angezogen durch die Dufttür. Sie befand sich in einem winzigen Brotbistro. Um sie herum wurde geredet und geschubst. Sie merkte nichts. Conny roch mit großen Nasenflügeln, bis sie voller Luft schon auf den Zehenspitzen stand. Nun sah sie verschiedene Backöfen, sah das Feuer in einem Steinbackofen ganz hinten in der Ecke, spürte die Wärme wie eine Decke um sich herum. Bald schon konnte sie den Geruch selektieren zwischen den verschiedenen Brotsorten, roch das schwere dunkle Brot, merkte den Unterschied zum hellen langen vornehmen Brot. Doch sie hatte keine Ahnung, was sie roch. Conny war berauscht in der Nase. Plötzlich erinnerte sie sich, daß sie gar nicht alleine hier war. Sie schaute sich suchend nach ihren Eltern um, die sie noch auf der Straße vermutete. Die beiden standen, ebenfalls der Welt entrückt, direkt hinter ihr. Nie wird Conny dieses Lächeln auf ihren Gesichtern vergessen, dieses verzückte Schnuppern, diese Erwartung, endlich in die erste Stulle eines frischen Brotes hinein zu beißen, es fluffig in der Hand und am Gaumen zu spüren. Nur Minuten später saßen Conny und ihre Familie in einer Ecke auf dem Fenstersims und auf kleinen Stühlen an einem kleinen Bistrotisch mit einem Pott Kaffee für jeden und einer deftigen Scheibe frischen Brotes. Dieser Moment war ausschlaggebend, gemeinsam mit ihrer Mama einen Sauerteig anzusetzen, der bis heute lebt und Edoard heißt. Bei jedem frischen Brot aus dem eigenen Ofen lächelt Conny – auch in Erinnerung an dieses zauberhafte Frühstück mit ihren Eltern, an diese wundervolle gemeinsame Reise und vor allem wegen der Liebe zu ihrer Familie. Sie nimmt jedes Mal mit der Nase ganz dicht am noch warmen Brot einen tiefen Atemzug und fühlt sich geerdet und angekommen.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 30. Januar

Euphelia hat ihren gemeinsamen Rundgang mit Torsten nach dieser stürmischen Nacht beendet. Das Ergebnis – ein umgestürzter Sonnenschirm und eine unter ihm begrabene Laterne – läßt beide beruhigt aufatmen. Auch in Eulenhausen hat sich kein Bäumchen zur nächtlichen Wanderschaft hinreißen lassen. Brav stehen sie an Ort und Stelle auf ihrer zaubergrünen Wiese. Der Wagon, der mit dem Brausewind und Peter Pan heute Nacht einmal quer durch Nimmerland geflogen war, steht auf seiner Schiene, als sei nichts geschehen.


Jetzt, im wärmenden Sonnenschein, darf Euphelia Conny auf ihrem Spaziergang begleiten. Die Hausschreibfeder  kann zum Glück schweben, denn wie erstaunt ist sie, was für ein Tempo die kurzen Beine hergeben. Irgendwo am Waldrand, wo der Wind oben über den Wipfeln rauscht und Conny, angelehnt an einen Baum, die Nase entspannt in die Sonne hält, summt Euphelia vor sich hin: Sag mir, wo der Monat ist, wo ist er gebliehieben. Sag mir, wo der Monat ist, was ist gescheh’n. Keine Ahnung, denkt Euphelia, sie haben mich ja selten zu Wort kommen lassen. Sie knabbert nachdenklich an der Spitze ihrer Feder und ist ein ganz klein wenig erbost, daß sie es nun mit diesem Rückblick ausbaden soll. Am wichtigsten erscheint ihr, daß seit dem 10. Januar wieder Gäste im Haus sind. Stimmen und Lachen, auch mal Tränen. Zum Vollmond wurde ja sogar schon wieder gelesen. Zum Glück durfte Euphelia darüber bereits berichten. Das alles zusammen gibt dem Haus Wärme und Geborgenheit. Die Gutshotelfamilie hat sich eingeschworen auf ihre allumfassende und allerhöchste Aufgabe: Das große Verwöhnen in 12 Kapiteln. Dies bedurfte mehrerer Vorbereitungen. Sie waren gemeinsam im Salzreich in Trinwillershagen, wegen der oberen Luftwege und wegen des Lachens miteinander.

Www.salzmanufaktur-mv.de

Die Ostsee konnte nur gerade so einen Badeüberfall verhindern.

Diese ganze tolle Truppe hat dem Merklinger, als neues Familienmitglied Mecki genannt, einen ersten Wintereinsatz geschenkt.

Eine halbe Nacht hindurch wurde gespielt, am nächsten Tag sich der Sucht ganz langsam entzogen.

Und nun sind sie aufgetankt und bereit. Das Hotel strahlt, geputzt bis in die Ecken. Und, Leute, ihr glaubt es nicht! Ein Besuch im hoteleigenen Shop Die BuchBar lohnt sich mehr denn je. Conny hat so tolle Sachen entdeckt.

Nach und nach findet alles seinen Platz im Laden und online könnt ihr 24 Stunden kramen. Doch, bitte, besucht diese Seite regelmäßig! Hier wird sich in den nächsten  Wochen noch so viel tun.
Euphelia bangt inzwischen. Soviel Sonne hat Conny schon immer inspiriert. Wenn das mal gut geht. Da huscht immer mal wieder so ein verträumtes Lächeln über ihr Gesicht. Ob wohl Euphelia die erste sein wird, der Conny  diese Ideen anvertraut? Bei dem Schalk gerade in den Augen sieht es ganz danach aus, als wenn in deren Kopf gerade richtig die Sause abgeht.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 18. Januar

Euphelia schmunzelt. Diese kalte, klare Nacht mit dem Vollmond um 0.48 Uhr wollte Conny so ganz verrückt für einen Nachtspaziergang nutzen. Der sogenannte Wolfsmond war in dieser Nacht etwa 401.000 km entfernt, viel weiter geht nicht. Ganz bis zu ihm hätte sie es nicht geschafft, doch ein Kilometer sollte wohl drin sein. Sie hatte sich alles zurecht gelegt und bis nach Mitternacht gelesen, um ja nicht die Zeit zu verpassen. Dann lugte der Mond sehr auffordernd sogar in ihr Fenster hell, dick und rund und klar – und kalt. Sie kuschelte sich in ihre warme Decke, zog diese bis zur Nasenspitze, entschuldigte sich beim Mond und schlief tief und fest bis zum Sonnenaufgang.

Windgeschützt und in voller Sonne könnte sie am liebsten schon Blumen pflanzen, auf der anderen Seite des Hauses steht jedoch noch der Schlitten, blitzt noch ein Rest Eis auf der Pfütze. Doch die Farben zwischen Sonne und Wolken, im Osten am Morgen, im Westen zum Sonnenuntergang sind Naturschauspiele in zauberhaftem Pastell. Da ziehen Bilder am Himmel entlang, die Märchen erzählen, welche die Seele auftanken lassen. Sicher ist der Winter noch lange nicht vorbei. Aber wenn es auf den Februar zugeht, ahnt man bereits die ersten Schneeglöckchen. Sie läuten Lichtmess ein. Dies war früher die Zeit, wo Knechte und Mägde ihren Dienstvertrag lösten und sich um eine neue Stelle bemühten. Altes hinter sich lassen. Conny träumt noch immer davon, am Morgen aufzuwachen und das Draußen ist wie damals, der komische Film der letzten beiden Jahre beendet. Doch wenn Torsten sie kneift, dann ist schnell klar, dies ist weder Film noch Traum. Trotzdem kämpft sie darum, tagtäglich ihre Talente und Begabungen zu entdecken, auszuprobieren, sich neuen Dingen zu öffnen, sich großen Aufgaben zu stellen, um helfend und nützlich zu sein.

Wenn es in Zeiten wie diesen (oh, was für ein Spruch, wenn er schon so lange zutrifft) hier im Bücherhotel so viel ruhiger zugeht, dann denkt sie oft: Oh, das könnte ich ja auch noch erledigen. Oh, das kann man ja jetzt nebenbei noch schaffen. Oh, das wollte ich schon immer mal ausprobieren. Und dann: Plötzlich hat auch ein solcher -ruhiger- Tag nur 24 Stunden. Wie dumm! Was hat sie doch früher an einem Tag alles geschafft. Kennt jemand diesen Satz, diese Denke?

Nun ist also heute auch schon wieder Abend. Natürlich verließ sie nicht gleich bei Sonnenaufgang das gemütliche Nest, sondern haderte erst einmal mit sich selbst, wegen der Unzuverlässigkeit eines nicht eingehaltenen Vorhabens, von dem übrigens außer dem Mond niemand etwas wußte. Es wollte gekuschelt und sich noch einmal umgedreht werden, und dann mußte sie sich selbst davon überzeugen, daß es sinnvoll ist, nicht gleich mit dem Buch in der Hand den Tag im Bett zu beginnen, sondern, naja, irgendwie anders. Diese Überzeugungsarbeit hielt an bis zum ersten Kaffee. Dann war es geschafft und der Rechner im Büro flimmerte voller Tatendrang. Nach den nächsten drei Absagen und vier neuen Buchungen war das Maß an emotionaler Stärke zunächst verbraucht. Immerhin ein Schritt vorwärts.

Also besuchte Conny ihre beiden verläßlichen triebhaften Freunde. Edoard schrie nach Fütterung, Edelgard zeigte sich stark und zufrieden, sozusagen einsatzbereit. So wurde die umtriebige Edelgard Grundlage für ein Experiment, ein Rote-Beete-Brot. Dieses liegt jetzt als wahrhaft roter wachsender Ballen im Gärkorb und erwartet weitere Aktivitäten am nächsten Morgen.

Gegen Mittag sortierte Conny zwei Kisten neu eingegangener Bücher, ein Fundus, über den später zu berichten sein wird. Gleichzeitig entschied sie einige wenige Geschichten, die am Nachmittag vorzulesen waren, denn Vollmond sollte heute traditionell wieder eingeläutet werden. Anders als im letzten Jahr brauchte Conny heute keine Plüschtiere als Publikum, sondern hatte sechs Gäste, die mit ihr lasen, hörten, blauen Tee tranken, Eis im naturnahen Grün aßen, strickten, stickten, plauderten, lachten.

Kerzen brannten, die Füße steckten in Socken oder Decken, der Blick ging ganz bewußt nach vorn. Es wurde geträumt, phantasiert, Visionen standen als riesige Gemälde mitten im Salon. Ohje, wer Conny kennt, der bekommt es gerade mit der Angst. Natürlich waren sie am Nachmittag auf einem langen Spaziergang durch Eulenhausen richtig angefixt worden. Die Obstbäume stehen auf einer Wiese, als sei diese aus Kunstrasen, so satt grün. Die Maulwürfe vorne am Kleinen Jakobsweg scheinen von einer ganz besonderen Sorte zu sein, sie passen scheinbar gar nicht mehr in ihre Unterwelt, bauen sich schon Wohnungen in halber Etage. Wie mag es da unten wohl aussehen, was geht da vor? Dies ist ein Stoff für Geschichten ohne Ende, sozusagen für eine neue unendliche Geschichte, vielleicht eine Stadt der träumenden Maulwürfe – mit Bibliothek? Stellt sich doch die Frage: Wie können Maulwürfe lesen? Lupe? Blindenschrift? Buchstabentöne?

Was Eupelia damit sagen will: Der Tag verging rasant.  

Aber dann ist an einem solchen Tag ja immer noch ein langer Abend dran. Da kann man noch sooo viel machen. Das stimmt – wohl.

Abendessen, abwaschen, Edoard in seiner Männlichkeit unterstützen und auch mit ihm ein Brot ansetzen (schwer, dunkel, ganz in Roggen), mit Euphelia schwatzen, in Brotbüchern nach neuen Erkenntnissen suchen, in sozialen Medien Anfragen und Interessen beantworten, in angeforderten Listen neues Saatgut aus alten Sorten für den Literaturpark Eulenhausen bestellen, in Katalogen bezauberndes Sortiment für die BuchBar entdecken und anfragen, die Dusche auf morgen verschieben, wenigstens noch eine Reihe gestrickt haben und mit dem Buch in der Hand in einen tiefen Schlaf fallen, nachdem sich mit einem letzten verschwörerischen Zwinkern vom Mond verabschiedet wurde.