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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 26. Juli

Euphelia zieht ihr silbernes Füßlein sachte aus ihrem silbernen Stiefelchen und ganz langsam setzt sie an zu einem ersten Federstrich. Wieder und wieder zögert sie. Wie soll sie diese Tage beschreiben? Nein, es ist kein normales Leben. Nein, es ist nicht wie früher. Wie war früher? Was ist normal? Was heißt DAVOR und DANACH?

Lieber kommt sie zu diesem Augenblick zurück, zum Hier und Jetzt. An vielen Tischen im Gutspark mit seinen alten Kastanien sitzen Gäste. Sie reden in langen Gesprächen miteinander. Bärbel und Heidi haben sich ein Jahr nicht gesehen, vorher nicht gekannt und beginnen ihr Wiedersehen, als hätten sie schon gemeinsam im Sandkasten gespielt. Was für eine Vertrautheit. Rosemarie spielt Didgeridoo am großen Ausguck und hat bereits ihre erste Runde mit Kennerblick durch die Pflanzenwelt hinter sich. Der von ihr gepflanzte Bienenbaum hat sich so üppg entwickelt, daß alle unter ihm wachsenden Pflanzen wahrhaft Untertanen geworden sind. Die aromatische Luft nach einem kräftigen Regen lockt Bienen und Hummeln förmlich an. Eben erst zog ein grummelndes Gewitter über die Sonnenschirme hinweg. Noch immer hört man das Donnern in der Ferne hinter dem Wald. Manch einer flüchtete sich kurz in das Haus, andere rückten einfach unter den Sonnenschirmen zusammen. Silke und Frank standen eng beieinander unter einem Regenschirm vor dem Garten-Salon, den richtigen Schlüssel am großen Schlüsselbund suchend, bis die Sonne sich schon hinter einer Wolke ein Guckloch gebohrt hatte. Der Park atmete unter diesem herrlichen Landregen auf. Zum Glück ist er in diesem Jahr so wild, wie schon lange nicht. Inseln von hohem Grün, verschiedenen Gräsern und bunten Wildblumen locken so viele Insekten an, das man nur staunen kann, wie vielfältig und farbenfroh diese Welt der fliegenden Gesellen ist. Im Garten wurden die ersten tiefroten Stachelbeeren geerntet und der Kuchen danach gelobt. Johannisbeeren reifen, Zucchinis werden immer dicker und länger. Connys Kürbisexperiment entpuppt sich als Umsetzung des Märchens „Der süße Brei“. Auf den Feldern rund um das Gutshaus herum reift das Korn. Hochsommer. Wie schnell die Zeit nach dem Schlüsseltag an der Gutshotelfamilie vorüber huscht.

Nicht nur bei Vollmond in den letzten Tagen haben sie Glühwürmchen beobachten können in den stillen Stunden der verträumten Abende. Lange saßen die Gäste beisammen in lauer Luft, am glimmenden Feuer unter einem sternenklaren Himmel. Manch ein Städter bestaunt hier die Vielzahl der Sterne – ja, hier gibt es eben viele davon, hat Conny geantwortet und leise in sich hinein gelächelt. Dieser Genuß einer puren Sommerabendromantik zeigt so deutlich, was sie alles vermißt haben. Und dabei gehört doch wirklich so wenig dazu. Gestern abend saßen zwei auf den Holzstühlen kuschelnd nahe beieinander, es war bald Mitternacht, und Conny ahnte, dies war ein Abend, an den beide noch lange denken werden. Zeit füreinander und miteinander, die Welt um sich herum einen Augenblick vergessen, der Stille zweisam lauschen. Und doch fällt es Conny gerade schwer, den Regen einfach zu genießen. Die schrecklichen Bilder aus anderen Teilen Deutschlands, irgendwie gar nicht weit weg, überschatten die Schönheit eines Gewitters mit Landregen. Wie ein kleines Mädchen ist sie von der Romantik in ihrem Park verzaubert, hat sie sich in den letzten Monaten wahrhaft neu verliebt in ihr Zuhause, teilt es einmal mehr von Herzen gern mit ihren Gästen, doch gerade die Regengüsse und Überschwemmungen werfen ihr erneut die Fragen nach dem Sinn ihres Lebens vor die Füße. Hat sie ihren Platz gefunden? Tut sie alles, um ihre Spuren in Raum und Zeit glückbringend und wohltuend und nützlich und sinnvoll zu hinterlassen? Ist das, was bisher war, stimmig? Was davon kann sie bewahren? Was sollte sie verändern?

Conny ist sich gerade nicht sicher, ob dies hier aufgeschrieben gehört, aber Euphelia schreibt einfach ohne zu fragen. Sie wird aufpassen in den nächsten Tagen, daß Connys Gedanken sich erst zu Bildern im Kopf und dann zu Worten formen. Man merkt Conny diese Unruhe viel zu schnell an, wenn sie eben alles auf einmal tun will, wenn der Tag nicht ausreicht für ihre Vorhaben und das System der Prioritäten aussieht, als wenn im Bus alle Gäste in der ersten Reihe sitzen wollen, und wenn sie jeden Tag Brot bäckt, sodaß selbst Edoard, der Roggensauerteig, fast aus der Puste kommt.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 13. Juli

Euphelia hat sich endlich einen oberen Platz in Connys Ich-Tu-Liste erkleckst. Alles, was auf dieser Liste jetzt noch vor ihr steht, hat sie mit Tinte überspritzt. Spitzbübisch lächelt sie von ihrem Schreibtisch herunter – ich war das nicht!!! Sie will jetzt endlich raus aus ihrem silbernen Stiefelchen und in Bewegung kommen. Immerhin ist Euphelia die Hausschreibfeder. Gestern vor genau vier Wochen drehte sich der Schlüssel im Schloß. Na, ist es denn jetzt etwa langweilig? Oder warum ruft keiner nach Euphelia zum Diktat? Viele Menschen hat Euphelia inzwischen kommen und gehen sehen. Wie schnell sich alles wieder wie immer anfühlt, wie VORHER, als wären zwei Wochen Urlaub gewesen und nicht sieben Monate Stillstand. Die Gutshotelfamilie begrüßt und verabschiedet, oft mit Hurra, oft mit Tränen der Rührung, so oft mit strahlendem Lachen. Euphelia spürt jeden Tag aufs Neue den Stolz, die Begeisterung, die Leidenschaft. Es gibt es noch, das Bücherhotel mit seinem zauberhaften Verwöhnort. Und nichts tun sie hier gerade lieber, als endlich wieder sich kümmern, als Wünsche erkennen, bevor sie ausgesprochen wurden. Doch es gibt einen ganz besonderen Grund, warum Euphelia nicht einen einzigen Tag länger auf ihren Einsatz warten will. Sonnabend kam ein dicker Briefumschlag von Renate und Bernd. Darin ist ein geheftetes Buch aller Einträge von Euphelia seit Beginn in 2019. Seite für Seite haben Renate und Bernd ausgedruckt, mit allen Bildern und ein Buch daraus gestaltet. Es ist dick. Und es ist jetzt eine Geschichte, die wahrhaft in der Zeit DAVOR beginnt. Wie spannend wird es wohl sein, diese vielen Seiten hintereinander zu lesen. Euphelia ist so sehr dankbar über dieses riesengroße Geschenk. DANKE!!!!!!! Von ganzem Herzen Danke! Vielleicht ist dieses prachtvolle Buch als  Aufforderung auf den Punkt gelungen: nämlich, nicht mehr so wortlos am ersten Satz zu knabbern, sondern endlich wieder das Treiben und bunte Leben zu beschreiben. Immerhin ist Euphelia ja die Hausschreibfeder. Ab morgen wird sie per Klecks in bernstein wieder heftig daran erinnern, daß sie für die Klicks verantwortlich ist. Versprochen!!! Renate und Bernd, ihr bekommt also wieder Stoff. Nochmals Danke!!!!!

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 12. Juni

Euphelia hat sie jubeln gehört. Nächster CHECK: Salon!!!! Fertig. Vom Bücherhaus (Haus 1) oben bis unten, quer durch das gesamte Gutshaus haben Sie sich durchgeschrubbt, durchgewedelt, durchgesaugt. Zuerst alle gemeinsam und nun in den letzten Tagen immer mehr jeder an seinem Platz. Was am Anfang wie ein großes Puzzle erschien, ist nun ein fertiges gerahmtes Bild. Die Gutshotelfamilie duzt ihr Haus wieder. Mit jeder Ecke wurde neu Bekanntschaft geschlossen. Die Räume bedanken sich mit Blüte, Glanz und einem Duft von Harmonie.

Alle hier sind sich einig, daß die Gäste diese Stimmung als Willkommensgruß spüren werden. Kerstin wirkte ein wenig bedrückt heute. „Ach, Conny, nun ist alles im Haus so schön, aber unsere ganzen versteckten Ecken und Inseln im Park haben wir nicht mehr gemacht!“ Das stimmt. Conny lächelt dennoch, denn lieber frisches Gras bis zum Bauch, als verbrannte Steppe. Es ist ein Summen um sie herum, welches viel wertvoller erscheint, als gemähte gerade Fläche. Wege bis zum Ausguck, zur Achtsamkeitsbank, zur Schaukel sind fröhlich geschwungen angelegt. Der Wildheit hat dies nicht geschadet. Kerstin, die Frau mit dem grünen Daumen, würde so gern die Schönheiten freilegen, den Schätzen genügend Platz zum Bewundern geben. Doch das Wohl ihrer Zimmer und der Räume zum Lesen und Lustwandeln ist ihr noch viel wichtiger.

Jetzt freut sie sich am meisten darauf, daß diese Zimmer endlich von Menschen bewohnt werden. Dann gibt es auch wieder das kleine Geplauder auf dem Flur, das direkte Danke mit liebevollen Worten, Anerkennung. Euphelia weiß aus vielen Erzählungen, daß es nicht selbstverständlich ist, daß denjenigen, die für Reinigung zuständig sind, solch große und warmherzige Aufmerksamkeit gilt. Doch hier lebt man auf Augenhöhe miteinander. Natürlich wird auch geflucht, gestöhnt, gezetert und gestritten. Doch Kerstin meint, wichtig ist, daß jeder vom anderen weiß, daß man mitten in der Nacht anrufen kann und ohne zu zögern Hilfe bekommt oder selbst zur Stelle ist. Sie hat hier ihre zweite Familie gefunden und wundervolle Freunde in den Reihen der Gäste. Auch wenn Cornwall noch eines ihrer Traumziele ist, so sind der Gutspark und Eulenhausen dennoch klare Favoriten. Wenn Kerstin ein Lebensmittel sein würde, so wäre sie eine Paprika, antwortet sie auf Connys Frage. Bunt, farbenfroh, Würze gebend, fröhlich, ein bemerkenswertes Teil vom Ganzen.

Ja, das Ganze ist hier wahrhaft nicht klein, sondern täglich eine Herausforderung. Euphelia kann es beobachten: diese große Aufgabe wird nur gelöst mit viel Liebe, Zusammenhalt, einer unumstößlichen Vision und vor allem mit Hilfe zauberhafter, einmaliger, großartiger Freunde dieses Hauses. DANKE!

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 11. Juni

Euphelia flattert nun von Tisch zu Tisch, flieht vor dem Staubwedel. Das große Putzen ist in der Abschlußrunde angekommen. Das Foyer am Eingang glänzt bereits und das Wohnzimmer wird gerade so gründlich gesäubert, daß sämtliche Spinnen und Wollmäuse von alleine die Flucht antreten.

Für Sonnabend werden sie nur noch den Salon übrig haben und die Details draußen an den Eingängen. Engelchens Frühstücksbuffet ist eingerichtet. So oft hat sie sich selbst überzeugt, ob auch wirklich nichts fehlt. Lianes Kaffeemaschine ist auf einem Auge schon aus dem Dornröschenschlaf erwacht, das andere Auge macht noch ein Nickerchen. Ingos Herdplatten funktionieren, das ist doch schon mal was. Maxi blüht förmlich auf.

Technikfragen auf allen Gebieten. Systeme, die seit drei Monaten gefordert werden, sind bis jetzt nicht zertifiziert. Zwischenlösung. Telefonanlage paßt nicht zum neuesten Update. Zwischenlösung. Neue steuerliche Angaben auf den Rechnungen passen nicht zur vorgegebenen Formatierung. Zwischenlösung. Der Wahnsinn des neuen Alltags hat also ohne Übergang Maxis Schreibtisch überrollt. Vor wenigen Tagen war das Büro noch komplett leer, lag sozusagen dem Maler zu Füßen.

Jetzt biegt sich die Tischplatte fast vor lauter Papier. Doch genau so ist Maxi in ihrem Element. Listen. Maxi liebt Listen und Fakten, die man erledigen und abhaken kann. Manchmal ist der Platz auf dem Schreibtisch zu eng, dann muß sie einfach mal den Blickwinkel ändern.

Schon seit Jahren hat sie sich entschieden, hier im Hotel zu bleiben. Irgendwie hat dieser Ort sie wahrhaft verzaubert. Am meisten liebt sie die Vielfalt an ihrer Arbeit. Und das liegt nicht nur an den wechselnden Plänen von Conny, sondern in der Natur dieses Hauses, und es liegt an der Art des Umgangs miteinander. Jeder trägt Verantwortung, jeder kann hier seine Kreativität entfalten. Da bieten der Verein Eulenhausen, die Buchbar, das Hotel mit all seinen Facetten, das Restaurant im Gewölbe und der Park enorm viele Betätigungsfelder. Natürlich weiß Conny, daß Maxi gern noch einmal nach Schottland reisen würde und unbedingt nach New York. Doch auf die Frage, wie sie ihr Boot nennen würde, hätte sie eines, antwortet Maxi ohne zu zögern: Mecklenburg. Sie kann manchmal sehr hart und direkt sein, weiß oft sehr genau, was sie will und wie das geht, doch geht es um ihr Stück Heimat, um ihr Zuhause, um ihre Gäste, dann kommt ein sehr liebevoller und stolzer und weicher Schimmer in ihren Blick. Dann könnte sie diese ganze Insel hier umarmen. Abends steht sie häufig im Park mit dem Blick auf den Sonnenuntergang und staunt über die Schönheit und Anmut dieses Ortes. Doch am meisten freut es sie, endlich wieder diesen Zauber mit den Gästen und der Gutshotelfamilie teilen zu dürfen. Allein freut es sich so schwer, sondern die Begegnungen, das Lachen miteinander machen diesen Ort magisch und lebenswert.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 7. Juni

Euphelia schaut Conny so ganz unbemerkt von der Seite an. Die Stirnfalte, da ist sie wieder. Als sie sich vorhin seufzend im Sessel zurück lehnte, hörte Euphelia sie zu Maxi sagen: „Noch sieben Mal schlafen. Heute in einer Woche um diese Zeit ist der Schlüsseltag schon Geschichte.“ Der Countdown läuft mit Riesenschritten. Natürlich sind sie alle aufgeregt, doch jetzt, wenn man sagen kann, nächsten Montag, jetzt steht die Vorfreude plötzlich ganz vorn in der Reihe. Die Eingangstreppe wird sicher noch dreimal gewischt bis dahin, doch auch im Haus sind nun fast alle Arbeiten erledigt. Der Maler hat sich heute verabschiedet. Alles läuft nach Plan. Nach Plan. Conny muß lächeln. Denn bei ihr läuft immer alles nach Plan, wenn er manchmal auch zweimal täglich geändert wird. Eine Herausforderung für die Truppe um sie herum. Doch Pia zum Beispiel kommt damit gut zurecht. Naja, dann machen wir es jetzt erst mal so und schauen dann später, ob alles so bleibt.

Gemacht werden muß es ja sowieso. Genau, denkt Conny, so einfach ist das. Pia ist die kleinste Maus in der Runde, doch wenn es um ihre Zimmer geht, dann paßt sie gerade so durch die Tür. Da kann sie sich ganz groß vor Torsten aufbauen, ihn von ganz unten anschauen und sehr fordernd ihre Wünsche vorbringen. Sätze, die mit den Worten beginnen: „Wenn ich als Gast dieses Zimmer betrete,…“ kennen keinen Widerspruch, sondern einen Notizzettel mit Ausrufezeichen. Pia liebt diese Freiheit in ihrem Job, selbst entscheiden zu dürfen, mit welchen Raffinessen sie ihre Gäste verwöhnen darf. Oft weiß sie bereits, wenn sie den Namen liest, welches Kopfkissen oder welche zusätzliche Decke zu holen ist. Pia redet mit ihren Zimmern und die Gäste spüren dieses liebevolle Vorbereiten am Wohlfühlklima.

Wo der große Kaffeebecher steht, der scheinbar eine eingebaute Nachfüllpatrone im Inneren versteckt hat, da ist Pia ganz in der Nähe. Wenn es ihre Zeit zulässt, kommt sie gern besonders schön gekleidet zur Arbeit. Dann erscheint diese zierliche Frau wie eine kleine schüchterne Prinzessin und Conny lächelt und knuddelt sie. Für Pia waren diese letzten Monate ein wahrer Meilenstein in ihrem Leben. Sie zog mit ihrer Familie aus einer Mietwohnung in ein eigenes kleines Häuschen. Wieder ein Stück mehr Freiheit, ein Wert, der ihr so wichtig ist. Conny wundert es deshalb gar nicht, daß Pia gern mit dem Wohnmobil quer durch Norwegen reisen möchte. Doch zunächst genießt sie hier in Groß Breesen den wilden Park und bald das lächelnde Danke der Gäste und schöne Gespräche zwischen Tür und Tür.

Die Tage bis dahin gehören nun dem Feinschliff. Außerdem braucht der Rasen noch einen neuen Schnitt, das ist schon sehr viel mehr, als nur Feinschliff. Conny wollte ihn nicht in der trockenen Hitze kürzen. Doch nun verschwindet sie schon fast darin. Ihr rotes Kopftuch leuchtet zum Glück. Findet ihr sie auf diesem Suchbild?

Sie liebt diese Wildheit in ihrem Park.