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Euphelia im Advent – 3. Tür

Advent mit Euphelia – 3. Tür

Als heute morgen durch den Nebel hindurch ein zarter Sonnenstrahl schimmerte, legte Euphelia das durchgelesene Buch beiseite. Aha, schaute sie nach draußen, das ist also Wintersonnenglanz. Mit diesem letzten Gedanken kippte sie einfach um und fiel in einen tiefen Bookoholikerschlaf. Im Traum lag sie in einem Büchernest. Neben ihr spielte jemand zart Klavier und um sie herum wurden Kekse gebacken und Texte vorgelesen.

Sie erwachte mit großem Schreck vom Plätschern einer überlaufenden Badewanne. Das Wasser durchnäßte Buch für Buch in den herumstehenden Kisten. Voller Panik in der Feder stand sie kerzengerade auf ihrem silbernen Fuß und schaute sich vorsichtig um.

Euphelia hatte bis Mittag geschlafen und das Plätschern kam aus einer Flasche, dessen Sprudelwasser ins Glas gegossen wurde. Die Klaviermusik entpuppte sich als schnelles Klappern auf der Computertastatur. Neben Euphelia stand ein voller Teller mit frischgebackenem Adventsgebäck. Dieser leerte sich schneller, als Euphelia das Wort Keks aussprechen konnte.

Drei verschiedene Telefone gab es in dieser vollgestellten Rumpelkammer. Deren Klingeln entschied über den Bewegungsablauf der Tastaturfinger und der Gespräche um Euphelia herum.

Sie schwebte nun auf den großen Schreibtisch genau neben ihr, von dem allerdings vor lauter Papierstapel nicht mehr viel zu sehen war. Obenauf lagen verschiedene Listen.

Euphelia haßte Listen. Am meisten haßte sie diese Erledigungslisten, es sei denn, sie hießen „Tue Du“ – Listen. Doch was passierte hier gerade genau neben ihr? Konnte das sein, daß es ihr nicht allein so erging?

Die Tastaturfinger glitten langsam von Punkt zu Punkt über eine lange Liste. Dann schrieben sie blitzschnell einen neuen Punkt unter alle anderen – strichen ihn durch und setzten ein freudvolles Häkchen für „erledigt“.

Die Hände der Tastaturfinger rieben vor Freude aneinander. Euphelia konnte sich ein lautes Lachen nicht verkneifen.

Doch die Finger wurden plötzlich emsig. Voller Euphorie über einen erledigten Punkt (auch wenn er vorher gar nicht auf der Liste stand) wurde jetzt der ganze Schreibtisch in Alarmbereitschaft versetzt.

Ohne eine Chance auf Flucht für Euphelia wurde eine Schranktür hinter dem Schreibtisch geöffnet und schon wieder war sie hinter Glas.

Nach dem ersten Schreck fühlte sie sich ganz wohl in diesem Büchernest. Neben sich las sie den Namen

John Strelecky

auf einem sympathischen kleinen Büchlein.

Folge dem Rat deines Herzens“

wisperte es ihr zu. Na toll, dachte Euphelia, Tür ist zu, ich folge hier nirgendwohin. Doch dann las sie weiter

.. und du wirst bei dir selbst ankommen.“

Das hörte sich nach einer erneuten Nachtschicht an für Euphelia. Und sie war sich nicht wirklich sicher, ob sie es überhaupt wollte.

Sie war noch skeptisch, ob es hier in der Ecke dieser Kammer, hinter dieser Glastür, also ganz am Rande der Welt am Morgen wenigstens einen guten Kaffee geben würde.

Doch bis dahin hatte Euphelia nun genug Lesezeit.

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Advent mit Euphelia – 2. Tür

Advent mit Euphelia – 2. Tür

Eigentlich ist Euphelia, die Hausschreibfeder, verantwortlich für die Aufzeichnungen im BuddelBuch. Sie liebt ihren Job und ist besessen von Geschichten.  Doch in den letzten Tagen hat ein Sturm in der Buddel das Lettermeer aufgewirbelt. Viele Gedanken flogen wild durch die Flasche und wollten beste Plätze auf den leeren, aufgeblätterten Seiten des BuddelBuches einnehmen. Euphelia erinnert sich daran, daß dies kurz vor dem Ende eines Jahres immer so war. Plötzlich fällt jedem ein, was alles noch geschafft werden muß. Als ob es kein Leben nach dem 24. Dezember gäbe. Und als ob Kekse und Glühwein im Januar nicht auch noch schmecken würden.

Doch Euphelia ist nach ihrem langen Vitrinenschlaf viel zu aufgeregt, um fliegende Gedanken einzufangen. Gerade hat sie beim Abschied mit Faust diskutiert, ob es gut wäre, wenn man in einem Zustand der Glückseligkeit verweilen könnte.  Seit ihrem Verlassen der Vitrine kommt sie nicht einen Augenblick zur Ruhe. Den jungen Werther hat sie versucht zu trösten, dem kleinen Prinzen seine Fragen beantwortet, denn der hätte sonst sowieso keine Ruhe gegeben. Sie hat Aladins Lampe geputzt und die grauen Anzüge der grauen Männer in die Waschmaschine gesteckt, damit Momo ein wenig verschnaufen kann. 

Doch nun geht Euphelia wieder auf Entdeckungsreise. Sie hörte heute Menschen darüber reden, daß ihnen der Stoff ausgegangen ist. Was ist das für ein Zeug, über das man so offen und ungestraft reden darf? Jemand kam sogar mit einem ganzen Karton voller Stoff. Sofort sprangen die Süchtigen fast hinein. Mehrere brachten einzelne Exemplare sehr vorsichtig in einen Raum gleich neben ihrem neuen Stammplatz. Diese Tür wird verblendet von lauter Ansichtskarten. Darauf sieht Euphelia lesende Wesen in allen möglichen Positionen. Sind das alles welche, die von diesem Stoff abhängig sind, fragt sie sich bange. Und wer ist es, dem mit einem glückseligen Lächeln einzelne gebundene Werke in diesen Raum gebracht werden? Ein bookoholiker? Einmal wurde es richtig spannend. Jemand rief plötzlich ganz laut: „Das hier, Conny, das hier kannst Du nach Feierabend regelrecht vernaschen. Es ist so schön und leicht und doch hat es eine Linie und paßt zu Weihnachten.“

Also, kann man es essen. Naschen. Macht nicht dick. Aber neugierig.

Euphelia schleicht sich in diesen geheimnisvollen Raum und erstarrt, als sie den Blick hinter die Tür wirft. Was für eine Rumpelkammer. Der Weg bis zu dem Schreibtisch, der gerade noch so als einer zu erkennen ist, gleicht einer Hindernisbahn. In diesem Raum würde jeder Staubsauger seine Kündigung einreichen. Doch am meisten fesselt Euphelia der Blick auf die vielen verschiedenen kleinen und großen Stapel an Büchern. Ah, von diesem Stoff haben sie gesprochen. Gleich an der Ecke auf dem Schreibtisch liegt auf einem gewagten Stapel das empfohlene Buch vom Vormittag:

Gabriella Engelmann „Wintersonnenglanz“.

Da kann auch Euphelia nicht widerstehen. Sie stellt ihr silbernes Stiefelchen neben das Buch und schlägt die erste Seite auf. Naschen von Buchstaben ist soooo schön. Morgen ist ja auch noch eine Tür. Heute wird gelesen und nicht geschrieben.  

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Euphelia – die Hausschreibfeder für das BuddelBuch

Fröhliche Adventszeit!

Advent mit Euphelia

Euphelia verließ heute am 1. Dezember die Glasvitrine. Seit Jahren lag sie, verborgen in einer wunderschönen Schachtel, hinter den Fotobüchern. Ihr wurde nie langweilig, tauschten doch die Fotos ständig lautstark ihre Geschichten untereinander aus. Über diese Erinnerungen wird sie später noch so manch eine Notiz schreiben. Doch zunächst kam gestern ihr großer Tag….

Vor langer Zeit war ihr nämlich von einem kleinen, an einer Seite verkokelten Reclambüchlein folgendes prophezeit worden:

„Viel, Euphelia, viel wird man über Dich schreiben. Und viel, Euphelia, viel mehr kannst Du selbst schreiben, denn Du, Euphelia, bist eine echte Eulenfeder und kennst besser als jeder andere die Geschichten rundherum um das Bücherhotel. Doch erst dann, wenn jemand öffentlich eine Laudatio auf Dich hält und anderen bibliophilen Menschen von Dir vorliest, erst dann erwachst Du, Euphelia, aus Deinem langen Vitrinenschlaf, um erneut auf Entdeckungsreise zu schweben.“

Gestern auf der Adventslesung fand dieses besondere Ereignis im Beisein von mehr als zwei Dutzend liebevoll Hinhörenden statt.

Heute, pünktlich zum 1. Advent, hat sich die Hausschreibfeder Euphelia von den Fotobüchern mit einem damenhaften Nicken verabschiedet und die Glasvitrine verlassen.

Für sie öffnete sich die ERSTE Tür.

Mit einem Glas Tinte neben sich, um den Durst zu löschen, reckt sich Euphelia auf dem Rand der Glasvitrine in die Höhe und streckt ihren zarten silbernen Fuß ganz lang aus. Mondstaubviolett durchströmt sie ein wunderbares Gefühl wiedergewonnener Freiheit. Voller Neugier, Tatendrang und Entdeckerlust wackelt sie in ihrem silbernen Stiefelchen. Die wunderschöne zartgoldene Eulenfeder Euphelia ist sehr gespannt, wohin die nächste Tür sie wohl führen wird.