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Euphelia im Advent – Tür 16

Advent mit Euphelia – 16. Tür

Noch einmal Abschied am Morgen, Tagung am Vormittag, eine Gesellschaft zu Kaffee und Kuchen am Nachmittag, eine Gesellschaft am Abend im Gewölbe. Doch Euphelia spürt dennoch, diese sich vorbereitende Stille, diese sich anbahnende Ruhe ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Weihnachten kommt!

Plötzlich und unerwartet?

Nein, in diesem Jahr eher nicht, denn durch Euphelias Geschichten an jedem Adventstag konnte sie ihre Lieben langfristig warnen. Weihnachten wird kommen!

Selbst hier, weit weg von den großen Weihnachtsmärkten, vom Einkaufstrubel, von den verstopften Straßen, selbst hier ganz im Verborgenen, wird Weihnachten kommen. Und tatsächlich, Euphelia freut sich sehr darauf. Mit jedem Tag bemerkt sie mehr Kugeln, Engelchen, Figuren, Kerzen in ihrem Zuhause, mehr Schokolade und Kekse und Kuchen in ihrem kleinen Federbäuchi. Überall im Haus ist es heimelig und kuschlig warm.

Das Leben auf dem Lande scheint ihr wirklich sehr lebenswert zu sein. Heute entdeckt Euphelia eine Zeitschrift, blättert sie durch und plötzlich, vor lauter Aufregung vergißt sie ihr Buch.

LANDLEBEN“

Noch am Anfang schaut Euphelia recht teilnahmslos. Sie kennt nun das Landleben schon eine geraume Zeit, was sollte es Neues bringen, diese Seiten zu lesen.

Doch mitten drin wird sie stutzig.

Dieses Haus kennt sie.

Sie wohnt darin. Hier hat sie ihren Stammplatz.

Euphelia kommt aus dem Staunen nicht heraus. Nur ein einziges Haus auf dem Lande in Mecklenburg/Vorpommern, welches sich empfiehlt für landliebende Besucher in dieser Zeitschrift „LANDLEBEN“. Die anderen neun Häuser sind verteilt auf ganz Deutschland, doch ihr Stammsitz ist dabei.

Euphelia plusterte sich regelrecht auf vor Stolz.

Das gibt Lesestoff.

Darauf ein Prost.

Nun wird es ein gemütlicher Abend.

Euphelia will heute abend in einem besonderen Raum eine interessante Zeitschrift lesen, in ein tiefes Glas einen burgunderfarbenen Blick werfen und dann genußvoll eindösen. Ihr letzter Gedanke vor dem Einschlafen wird heute sein:

„Ich bin ziemlich verrückt, aber ich bin verdammt glücklich.“

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Euphelia im Advent – Tür 15

Advent mit Euphelia – 15. Tür

Dritter Advent vorüber. Die Familie nach großer Feier abgereist. Heinz am Akkordeon wieder nach Stralsund zurück, der Student im Zug nach Heidelberg. Die Hotelgäste mit der eigenen nächsten Feier abgereist. Die Damen des dritten Advent abgereist.

Das Haus um Euphelia herum ist sehr ruhig. Es wurde aufgeräumt, die Kissen auf dem Sofa sind aufgeschüttelt. Euphelia hat große Lust auf einen Spaziergang an der Sonne, die heute noch einmal mit dem Wind um die Wette den Tag erobert. Wenn solche Tage vorüber sind, wenn die Torte aufgegessen, der Wein ausgetrunken ist, wenn die Familie beisammen war, was selten ist, wenn man sich mit den besten Vorsätzen für ein baldiges Wiedersehen getrennt hat, dann ist da etwas nahe am Herzen, so eine Wehmut, die schwer wiegt, die Tränen aufsteigen läßt. Euphelia muß raus. Aus ihrer tiefsten Federseele zieht es sie nach draußen.

Dann will sie aufgeräumt sein, also ihre Unordnung akzeptieren.

Dann will sie loslassen.

Dann will sie abgeben, dabei den Genuß der Liebe festhalten.

Dann will sie die Spuren ihres silbernen Stiefelchens zur Verfügung stellen, um Hilfe zu geben, wenn ein Federchen eine Richtung sucht.

Dann will sie das Rauschen im Federpuschelohr durch das Rauschen des Windes in den Baumwipfeln ersetzen.

Dann will sie der Sehnsucht einfach folgen, braucht eine starke Brise, die sie auf dem Rücken der Möwe Jonathan über ihre eigenen Grenzen hinausträgt.

Dann will sie die Wolken kitzeln, bis sie Schneeflöckchen lachen.

Und plötzlich hat Euphelia Heimweh. Sie möchte einfach nur ganz schnell nach Hause, in ihr Wohnzimmer. Möchte in der Nähe der Lesemaus und nahe bei ihrem kleinen angekokelten Faust sich in die Kissen kuscheln und eines ihrer Lieblingsmärchen lesen. Euphelia weiß, sie wird weinen beim Lesen, doch das ist alles richtig heute. Wenn es um Liebe, um Zusammenhalt, wenn es um Leben und das Ende davon geht, wenn Hedvig eine Rolle spielt – dann darf man auch weinen. Euphelia wird heiße Schokolade trinken und den ganzen Rest des Tages ihr geliebtes Buch lesen.

Die Schneeschwester“

Eine Weihnachtsgeschichte

von Maja Lunde

Und sie wird weinen beim Lesen. Doch das ist alles richtig heute. Wenn solche Tage vorüber sind. Wenn dritter Advent ist. Wenn man wundervolle Menschen einfach nur im Arm behalten möchte.

Das ist doch der Sinn vom dritten Advent, oder?

Plätzchen, heiße Schokolade, ein wundervolles Buch und Dankbarkeit für die Menschen, die einem nahe sind.

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Euphelia im Advent – Tür 14

Advent mit Euphelia – 14. Tür

Eigentlich ist Euphelia, die zartgoldene Hausschreibfeder, die eine echte Eulenfeder ist, heute total müde. Sitzen auf dem Stammplatz und mit halbgeöffneter Feder dem Treiben im Wohnzimmer zuschauen, das reicht für ein tolles Programm. Die Tage zuvor waren voller Feiern und Reisen und aufgeregt genug. Doch eine Dame geht schon seit geraumer Zeit ziellos durch die Räume hier oben. Sie sucht etwas. Was mag es sein? Euphelia wird aus diesen Rundgängen nicht schlau.

Da meldet sich im Vorbeigehen ein winziges kleines Wesen, welches in der Hand der Dame ruht, zaghaft zu Wort. Euphelia spitzt das Federpuschelohr und hört dem Piepsen dieses kleinen Wesens genau zu.

„Hallo, Eulenfeder, Du hast es gemerkt, meine Frau Häkelin geht mit mir in der Hand nun schon seit vielen Minuten durch den Raum hin und her. Ihre Hand ist warm, das ist ein gutes Gefühl. Sie lächelt, das paßt dazu. Doch, was hat sie vor? Als ich noch bei ihr in Arbeit war, erzählte sie mir von einem Zoo, in dem ich mich später sehr wohlfühlen würde. Frau Häkelin sagte, dort leben Ratten, Mäuse, Katzen, Würmer, viele Eulen, süchtige Säufer und nimmersatte Fresser friedfertig beieinander und das unter einem Dach und auf engstem Raum. Ich wurde sehr neugierig, liebe Eulenfeder, das kannst Du glauben.

Heute morgen, als sich zu guter Letzt mein Schwanz ringelte und meine Nase mit einer Perle glänzte, bekam ich meine Kündigung. Frau Häkelin teilte mir mit einem letzten zärtlichen Knuddeln meines runden Bäuchleins mit, ich sei jetzt bei ihr nicht mehr in Arbeit. Also ist dies wohl unser letzter gemeinsamer Gang, nun wartet der Zoo auf mich.

Eulenfeder, wohnst Du auch hier im Zoo?

Mir ist bange. Ob ich mich mit den anderen Tieren vertragen werde? Ich bin so winzig und weich und kuschlig. Ich rechne es ja meiner Frau Häkelin hoch an, daß sie mich auf einen Einführungskurs begleitet und mir die anderen Mitbewohner vorstellen will.

Zuerst fallen mir die Schwärme von Eulen auf. Überall, wohin man schaut, blicken mich diese großen weisen Eulenaugen an. Was fressen Eulen eigentlich? Mäuse? Ohje, Frau Häkelin, laß mich tiefer in deine Hand rutschen. Komisch, diese Eulen hier halten sich alle an irgendwelchen Büchern fest. Ob sie die Bücher bewachen oder ist es umgekehrt?

Jetzt redet Frau Häkelin mit einem großen grauhaarigen Mann. Obwohl er ganz nett aussieht und auch sehr freundlich klingt, spricht er ständig von Ratten. Vorsicht, Frau Häkelin, der tut nur so herzlich. In den Geschichten meiner Vorfahren spielten Ratten keine so rühmliche Rolle.“

„Ach, du winzige Maus“, schaltet sich jetzt Euphelia ein, „Ratten können sehr schlau und belesen sein. Ich kenne ein wundervolles Buch, Du mußt es unbedingt lesen. Dann verstehst du auch die Ratten besser und lernst sie zu respektieren.“

Sam Savage

Firmin – ein Rattenleben“

Danke, liebe Eulenfeder. Doch ich verstehe gerade meine Frau Häkelin besser. Hier in dieser Art von Zoo sind es zweibeinige Ratten. Sie heißen Leseratten, eine gelungene, meist friedfertige Mutation.

Sie leben hier in dieser Gemeinschaft zusammen mit den süchtigen Säufern, den bookoholikern. Tagsübr merkst du ihnen diese Krankheit meist nicht an. Aber laß sie ein Buch in die Finger bekommen, dann siehst du den typischen Glanz wie Fieber in den Augen und das leichte Zittern in den Händen. Dann gibt es hier noch die nimmersatten Fresser. Sie tauschen ständig Rezepte untereinander aus. Nimm dieses, nimm jenes. Das hast du noch nicht? Oh, das habe ich letzte Nacht verschlungen ohne Pause. Es sind scheinbar gefährliche Wesen, oft mit roten Augen am Morgen. Die Rezeptangaben entnehmen sie ihrem Geheimversteck, dem SUB (dem Stapel unter dem Bett).

Es gibt hier auch Katzen im Haus. Ich weiß, ich darf ihnen nicht zu nahe kommen, sie sind sehr gefährlich. Doch Frau Häkelin erklärt mir, diese hier leben von zu lesenden Seiten und von viel Schokolade und Keksen – sie heißen an diesem Ort Naschkatzen. Hochgewachsen, auf zwei Beinen, haben sie meist Brillen auf, die auf schwarze Schrift fokussiert sind, nicht auf eine kleine grüne kuschlige Maus mit Ringelschwanz.

Nun hat Frau Häkelin plötzlich ihren suchenden Rundgang beendet. Schade, ein wenig zu weit weg von der geduldig zuhörenden Eulenfeder. Frau Häkelin hat einen Stammplatz für mich gefunden. Hier ist zwar manchmal etwas Durchzug, aber es ist hier immer interessant. Ich bin sozusagen in der ersten prominenten Reihe, meint Frau Häkelin. Hier, so ist sie sich sicher, werde ich oft begrüßt, manchmal geknuddelt und die Hand auf der Tastatur übernimmt die Patenschaft über mich. Ich liege also auf einer Tastatur. Schon kommt Durchzug, eine Tür schlägt hinter eintretenden Gästen wieder zu. Die Frau, die zur Hand auf der Tastatur gehört, ruft einer Gästin zu: Oh, du Maus, wie schön, daß du wieder ein paar Tage hier sein wirst!

Aha, das sind also meinesgleichen.

Lesemäuse wie ich. Ich glaube, ich liebe diesen Zoo jetzt schon. Ein bißchen ist es hier, wie in einer anderen Welt. Danke, liebe Frau Häkelin, hier läßt es sich leben, hier bin ich Maus, hier darf ich‘s sein.“

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Euphelia im Advent – Tür 13

Advent mit Euphelia – 13. Tür

Euphelia ist eine Sonnenfeder. An solchen Tagen wie heute, voll Sonnenschein, liebt die zartgoldene Hausschreibfeder ihren Job über alle Maßen.

Sie wird in ihren Weltreise-Kasten verpackt und los geht es – ohje – in einem Bollerwagen. Wie das rumpelt. Wo führt das hin? Sie versucht, einen Blick aus der Schachtel zu erhaschen. Schlagloch – Klappe zu!

Die Reise ist kurz. Fröhliche Menschen um sie herum. Euphelia bekommt den absoluten Mittelthron. Wo ist sie hier?

Egal, alles egal, denn neben ihr wartet schon ihr lieber kleiner angekokelter Freund Faust auf sie. Nun kann ihr nichts mehr passieren. Euphelia kann in aller Ruhe beobachten, hinhören, zuschauen und ihren kleinen silbernen Fuß im mondstaubvioletten Takt übers Papier tanzen lassen.

Wo fängt sie an? Wie beschreibt man eine lustige Ansammlung von Menschen, die in einem Wagon sitzen, der sich nicht bewegt?

Lothar Kusche

„Einsteigen bitte, der Zug endet hier“

Und da steht auch noch der Bollerwagen. Da war viel Gepäck drin um sie herum. Wo ist es hin?

Eines ihrer Lieblingsbücher kommt ihr in den Sinn. Na, das wäre lustig.

Guy Abecassis

„100 Koffer auf dem Dach“

Ach, Euphelia ist wahrhaft  verwirrt. Ihr fällt bei all diesen Aufregungen gar nichts ein.

Zum Glück kam heute liebe Post von Astrid. Darin stand: 

„Ergreife den Faden und ziehe daran,

und schaue, wohin er dich führt.

Mit Tinte im Füller erkundest du dann,

was dich tief im Innern berührt.

Ist’s traurig für dich oder heiter –

Mensch, schreibe nur das, nichts weiter.“

Ob das wohl auch für eine Hausschreibfeder gilt?

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Euphelia im Advent – Tür 12

Advent mit Euphelia – 12. Tür

Dies ist eine ganz besondere Tür – es ist Bergfest, denn der 12.12. ist die Hälfte im Adventskalender. Die Hälfte alle Schokostücke, aller Teebeutel, aller Kondome ist nun schon vernascht.

Euphelia hat an all das heute überhaupt keinen Gedanken. Sie ist gefüllt mit Mondstaubviolett, deshalb hat sie heute nur ihre Augen am abendlichen Himmel. Gestern war der Mond hier in Groß Breesen kaum zu sehen, doch heute erscheint er noch einmal in seiner ganzen Pracht. Es ist die längste Mondnacht des Jahres, denn bald schon wird der Tag wieder länger.

Nachdem Euphelia am Lagerfeuer ihre Tinte mit Glühwein etwas verdünnte und anschließend mit Rotwein verdickte, um sie danach geschmeidig zu machen mit Gin, setzt sie sich nun an ihren Lieblingsplatz unter dem schrägen Fenster, dem Mond so nahe wie möglich, und schreibt diesen Brief:

Hallo, liebe Bookoholiker, liebe Leser der Geschichten aus dem BuddelBuch,

bei Vollmond wird mir echt immer ganz schreiberisch. Mich fasziniert dieser Mond, wer kann da am Abend einfach so in die Stube gehen. Er zieht mich magisch an. Und, ganz ehrlich, seit Einbruch der Dunkelheit höre ich Eulen und Käuze überall im Park. Ihr könnt Gäste des Hauses fragen, manche dachten schon, man kann es ein- und ausschalten – doch sie waren alle echt und in unterschiedlichen Bäumen. Dies paßte zu dieser ansonsten windstillen, sinnlichen und übersinnlichen Nacht, in der sich schön und schaurig an magischen Orten fantastische Wesen tummeln.

Viele Jahre schon gibt es hier im Bücherhotel die Tradition der Vollmond-Lesungen. Illustre Gäste kommen zusammen, um bei Nacht entweder mitten im Wald oder im Kanu auf dem See oder an manch geheimem Ort vorgelesene Geschichten zu hören.

Wenn Ihr Euch von der Magie dieser Vollmond-Nächte auch verzaubern und verführen lassen möchtet, liebe Bookoholiker, dann solltet Ihr den 8. Februar 2020 in Euren Kalender eintragen. An diesem Abend werden Euch hier an diesem fabelhaften Ort Mondträume, nicht nur aus dem Reich der Fantastik, dargeboten. Eine Wanderung durch die Mondnacht gehört dazu, heiße Getränke lassen das Blut noch mehr durch die Adern rauschen.

Doch für heute nehme ich das passende Buch zur Hand , kuschel mich in die warme Decke und genieße schon einmal eine Probe als Vorkoster.

Mondträume“

Fantastische und magische Geschichten

Herausgegeben von Iris Grädler

Ich wünsche Euch eine verträumte Nacht, in der die Eulen rufen, die Vampire auf Euch lauern und Elfen, Feen und Trolle ihren Reigen tanzen.

Eure Euphelia