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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 4. Dezember

Euphelia hat diesen Tag genossen. Entspannte Menschen saßen überall genüßlich zurückgelehnt in den Sofas, tranken Tee oder heiße Schokolade, redeten miteinander, lasen, schauten einfach so aus dem Fenster, blätterten interessiert in den Fotobüchern, stöberten ausführlich in der BuchBar und waren glücklich über ausgefallene Weihnachtsgeschenke. Sowohl am Vormittag, als auch nachmittags zogen kleine Grüppchen mit den beiden Hausherren durch das WortReich bis hin nach Eulenhausen. Es hat soviel Spaß gemacht zu beobachten, wie der Funken der Begeisterung für diesen Ort überspringt. Das Gewölbe ist eine heimelige, warme Weihnachtsstube. Hier ist Verwöhnen wirklich Herzenssache.

Und doch spürt Euphelia einen Hauch von Melancholie über allem. Conny war am Abend lange draußen allein unterwegs. In Eulenhausen, wo es wahrhaft so dunkel ist, daß man seine Füße nicht sehen kann. In Klein Las Vegas, wo es wahrhaft so hell ist, daß man auf der Straße lesen kann. Im Gutspark, wo sich bei dem zauberhaften Blick auf das alte Gutshaus über das Gefühl von Traurigkeit ein großes Gefühl von Stolz ausbreitete.

Ja, Entscheidungen müssen getroffen werden. Doch dieser Ort und seine Macher sind voller Liebe und Kreativität. Sie werden wieder einmal gemeinsam durch die Klippen segeln. Denn immer, immer gibt es eine kleine Tür, die sich zur rechten Zeit zeigt.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 3. Dezember

Euphelia spürte so ein wenig Aufregung um sich herum. Wenn das Wochenende naht, wuseln alle. Als wenn sich Räder in Gang setzen, denkt sie. Alle gut verzahnt. Jeder an seinem Platz mit seiner Verantwortung weiß genau, was zu tun ist. Ihr macht es Spaß, von ihrem Stammplatz aus Zwischen den Zeilen zu beobachten. Manchmal kann sie es förmlich sehen, wie die hochgezogenen Schultern der ankommenden Gäste sich nach warmherziger Begrüßung und einem ersten Rundumblick senken. Ausatmen, einatmen, angekommen, loslassen. Conny war erneut im Dekorationsfieber. Alle Leseplätze und Sitzecken sollten vorweihnachtliche Gemütlichkeit ausstrahlen. Wegen der Schneenässe draußen wechselte sie sogar ständig die Schuhe. Hohe Schuhe draußen und Hauspantoffeln drinnen. Natürlich mit Eule. Wie das Mütterchen des Hauses schlurfte sie zwischen Tischen und Sofas umher. Dort noch eine neue Decke, da eine Kerze, hier eine arrangierte Sammeltasse. Dann der schiefe Blick auf das Ensemble, nicken, lächeln, weiter. Doch immer wenn sie mit neuen Weihnachtsdingen von draußen aus dem Lager kam, ging sie an dieser magischen Pforte vorbei. Ganz von selbst kamen die Erinnerungen an das wunderbare Buch „Der geheime Garten“. Den Film hatten sie schon einmal bei einem FilmDinner erlebt. Sie wird ihn in Kürze unbedingt noch einmal schauen. Es ist diese Pforte, voller Zauber und Magie. Geh hindurch und schau, ob sich dein Leben verändert.

„Ich bin sicher, es muß sehr viel Zauberei in der Welt geben…, doch die Leute wissen einfach nicht, wie so ein Zauber wirkt oder wie man es anstellt, daß er in Kraft tritt. Vielleicht genügt es schon, wenn man anfangs sagt, daß sich wunderbare Dinge ereignen werden, so lange, bis man erreicht, daß sie wirklich passieren.“ Francis Hodgson Burnett

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 2. Dezember

Euphelias erster Blick aus dem Fenster heute verzückte sie. Das war richtiger Winterwunderlandschnee. Noch immer fielen große weiße Flocken.

Es war, als stünde alles still. Alle sahen verzaubert und mit diesem Lächeln ihrer Kindheit diesem weißen Wirbeltanz zu. Schnell, um noch frische Spuren zu tapsen, zogen Torsten und Conny los nach Eulenhausen. Erhaben schritten sie beide über diese unberührte weiße Fläche.

Der Sturm der Nacht hatte den jungen Bäumen auf der Streuobstwiese nichts anhaben können.

Auf dem Rückweg fiel Connys Blick auf eine kleine versteckte Tür. War dahinter ein geheimer Garten? Jeder weiß zwar, was sich dahinter verbirgt, doch manch einen trägt eine solche Pforte mit sich weg in das Reich der Phantasie. Hinter jeder Tür kann sich eine neue, aufregende Welt verbergen.

Euphelia ist fasziniert von dieser Tür. Es wäre so schön, wenn sich Geschichten um diese Tür ranken. Sie kann verstecken, behüten, offenbaren. Welches Abenteuer seht ihr hinter dieser Tür? Jutta schickte heute ihre besondere Tür.

Wie mögen wohl die Menschen dahinter wohnen? Wie adventlich mag das Haus hinter dieser Tür geschmückt sein? Euphelia liebt dieses Spiel mit der Magie der Sprache, wer noch?

„Sie ging weiter, und bald erblickte sie einen Baum mit einer Tür, die in ihn hineinführte. „Wie sonderbar!“ rief sie. „Aber heute ist ja alles sonderbar. Ich denke, da geh ich rein!“ Und das tat sie dann auch sofort.“ Aus Alice im Wunderland.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 1. Dezember

Euphelia ist ein großer Weihnachtsfan. Sie liebt die Deko, den Tannenduft und seit heute öffnet sich sogar noch jeden Tag eine Tür. Ganz unbedeutend begann vor einigen Tagen ein Gespräch über diese Adventstüren. Daraus wurde, keiner weiß mehr, wie es dazu kam, ein tiefgründiges Philosophieren über Türen. Ja, Euphelia, kichert vor sich hin. So weit ist es schon. Statt eben einfach nur ein Papptürchen zu öffnen und sich ein Stück Schokolade zu nehmen, philosophieren sie über Türen. Es ist noch kein Ende dieser Diskussion in Sicht. Dabei ist der Umgang mit Türen in unserem Alltag völlig selbstverständlich. Doch neben verschiedensten Türen in unserer Lebenswirklichkeit, die wir mit den Augen betrachten und bestaunen können, die unterschiedlich sind in Farbe, Material, Größe, Stabilität, gibt es so viele Erfahrungen und Empfindungen, emotionale Momente mit Türen. Gehen wir durch eine offene Tür einfach hindurch? Was verbirgt sich hinter einer geschlossenen Tür? Fallen wir mit der Tür ins Haus? Was passiert mit uns, während wir auf das Öffnen einer Tür warten? Wer Geheimnisse hat, bespricht diese hinter verschlossener Tür.
Euphelia spürt immer mehr diese Neugier, Türen zu erkunden. So gern würde sie dieses Abenteuer mit Conny gemeinsam erleben. Doch diese hat heute ausnahmsweise mal keinen einzigen Schritt vor ihre Tür gesetzt. Sie hat geschlafen, Brot gebacken, keine Nachrichten gehört, nicht telefoniert, sie hat gestrickt, gehäkelt, aufgeräumt, gelesen und über Türen nachgedacht. Dabei ging ihr ein Text im Kopf umher, der so gar nichts mit Weihnachten zu tun hat. Aber kaum jemals hat Conny eine so ergreifende Beschreibung einer Tür gelesen, wie in „Die Hundeblume“ von Wolfgang Borchert.

„Die Tür ging hinter mir zu. Das hat man wohl öfter, dass eine Tür hinter einem zugemacht wird – auch dass sie abgeschlossen wird, kann man sich vorstellen. Haustüren zum Beispiel werden abgeschlossen, und man ist dann entweder drinnen oder draußen. Auch Haustüren haben etwas so Endgültiges, Abschließendes, Auslieferndes.

Und nun ist die Tür hinter mir zugeschoben, ja, geschoben, denn es ist eine unwahrscheinlich dicke Tür, die man nicht zuschlagen kann. Eine hässliche Tür mit der Nummer 432. Das ist das Besondere an dieser Tür, dass sie eine Nummer hat und mit Eisenblech beschlagen ist – das macht sie so stolz und unnahbar; denn sie lässt sich auf nichts ein, und die inbrünstigen Gebete rühren sie nicht.

Und nun hat man mich mit dem Wesen allein gelassen, nein, nicht nur allein gelassen, zusammen eingesperrt hat man mich mit diesem Wesen, vor dem ich am meisten Angst habe: Mit mir selbst.“


Achja, da ist ja auch noch sein Werk „Draußen vor der Tür“. Ein Blick in das schmale Gesamtwerk von Wolfgang Borchert lohnt sich mal wieder. Euphelia kann sich nun Connys Tag richtig gut vorstellen. Decke, Sessel, Tee, Wolle, viel Wolle, Bücher, viele Bücher, alles nahe um sie herum. Und schon ist sie nicht mehr vor der Tür ihrer literarischen Helden, sondern sofort mittendrin. Da beschleicht Euphelia eine wachsende Angst. Wie werden sie aus diesem Tunnel in den nächsten Tagen wieder heraus kommen? 23 Türen stehen bevor, und die erste, nämlich die aus der Wohnung heraus, wurde wegen literarischen Philosophierens gar nicht geöffnet. Egal, denkt, Euphelia, vielleicht werden ja genug Freunde der Hausschreibfeder sich über neue Empfehlungen freuen, dem Nachdenken über Türen folgen und sogar selbst eigene Türen in Schrift oder Bild beitragen. Dann wird es ein wahrhaftes gemeinsames Adventsabenteuer.

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Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 28. November

Euphelia hat sich so richtig satt gesoffen an der Bar. Bernsteinfarbe wurde erst mit viel Wasser ausgespült, dann mit blauem Gin und Tonic neutralisiert, bis Euphelia blau war, um anschließend ernüchternd festzustellen, daß tannengrün gerade Trend ist. Nun ist das Federbäuchlein dick und rund, kaum kann das kleine silberne Stiefelchen sie noch halten. Bei jedem Pups, ach nein Klecks duftet es nach Weihnachtswintertannenwald. Das soll ihr erst einmal jemand nachmachen. Aber egal, am wichtigsten ist für das Haus und für Euphelia – die Hausschreibfeder ist wieder im Dienst. Bei ihren Fragen am Tresen, was sie denn so verpaßt hat, wer denn da war, worüber gelacht worden ist, welche Ereignisse wichtig waren, mußte diese arme Feder feststellen, daß ihr Sommerurlaub ein nicht zu stopfendes Loch in die Chronik gerissen hat. Ganz offensichtlich sind die letzten Monate wie ein Kugelblitz an der Gutshotelfamilie vorbei gerast. Für besondere Erinnerungen braucht Euphelia Geduld und ein gutes Fragenkonzept. Später, denkt sie sich, denn zunächst muß die Exurlauberin das Hier und Jetzt erfassen. Als sie zwischen den Seiten ihres Freundes Faust in die Ferien verschwand, blühten die Rosen. Nun wird es bereits mitten am Tag dunkel, wobei alles nur eine Frage der Abstufung ist. Elegantes Grau ist die Farbe des ersten Advent. Doch wer mag schon nach draußen schauen, wenn es im Haus leuchtet und lacht und strahlt.

Sie haben es mal wieder geschafft, denkt sich Euphelia. Sie haben den Zauber von Weihnacht am ersten Advent in die Herzen ihrer Gäste gebracht. Die Räume erstrahlen im Kerzenschein. Es wurde gebastelt. Draußen im Park steckten sie gemeinsam Tannengrün in prächtige Vasen und Gefäße, wahrhaft unter vollem körperlichen Einsatz. Alte Buchseiten sind stolz darauf, gebraucht und bestaunt zu werden. Weihnachtsmusik erklang im strömenden Regen. Bratwurst vom Grill, Soljanka, Glühwein, Feuerschalen, Gelächter, Gespräche, warmes Licht von drinnen aus dem Gewölbe. Im Gutspark ein Gefühl von Weihnachtsmarkt, drinnen heimelige Vorweihnachtsstube.

Euphelia war so glücklich darüber, den heutigen Vormittag wieder auf ihrem Stammplatz Zwischen den Zeilen erleben zu dürfen. Jeder buchte sofort neu, man verabredete sich: Tschüß und bis zum nächsten ersten Advent. Die Gäste des ersten Advent – man kennt sich. Ja, denkt sich Euphelia, es ist etwas besonders in diesem Hotel. Nämlich, daß es kein Hotel, sondern eine große Gemeinschaft ist, in der jeder so sein kann, wie er ist, jeder seinen Platz findet, seine Ruhe oder seine Unterhaltung, sein Buch oder einen Lesekreis, liebevolle Gastgeber, die scheinbar nur ganz allein für ihn da sind.

Was auch immer sich verändern mag in Zeiten, die ohne Veränderung nicht gelebt werden können, dies soll so bleiben. Es muß Rituale geben, um die Sicherheit zu behalten, sich gelassen anlehnen zu können. Eines dieser Rituale ist das Bücherhotel. Es saniert, es erneuert mal eine Wandfarbe, aber es bleibt ein Haus der Herzen, der Zuwendung und der gelebten Gemeinsamkeit. Vielleicht müssen sie zwischenzeitlich schließen, überlegt Euphelia, aber dann nur, um mit dem bekannten Lachen wieder zu öffnen. Mal sehen, was kommt, doch sie werden aus den Zitronen eine schmackhafte Limonade zaubern und allen das Glas halbvoll einschenken, nie halbleer. Nun ist es heute abend ruhiger hier im Haus zwischen all den leuchtenden Kerzen. Der Gedanke an das Glas läßt Euphelia wieder an die Bar schweben – wegen des Duftes nach frischer Tanne – Ihr wißt schon. Zum Wohle Euch allen und beste Wünsche für einen zauberhaften ersten Adventsabend.