Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 2. Dezember

Euphelia bremst mit ihrem Federfingerchen das Umblättern. Conny ist gerade wieder in alten Büchern unterwegs. In diesem entdeckt Euphelia lauter Bilder und Eintragungen. Den Mann auf diesem Foto kennt sie. Was ist das hier für ein Buch? Den fragenden Blick richtet sie auf Conny, die lächelt still vor sich hin. Ja, ganz ehrlich, 1999 war ein echt spannendes Jahr für sie. Sie stöbert weiter durch das alte Gästebuch dieses Jahres. Es hat schon viele gefüllte Seiten, auch wenn erst seit wenigen Monaten das Hotel überhaupt offen ist. Die größten Ereignisse dieses Jahres hatten Connys Kinder zu bieten. Stefanie wurde volljährig, Maxi trocken und Charly ein kleiner Prinz. Conny lernte diese wundervollen Momente zu schätzen und gleichzeitig lernte sie Hotel. Ein ganz neues Fach in ihrer Lebensschule. Das erste Osterfest als Hotelfrau. Endlich wurde nach und nach sogar die Baustelle fertig, denn die Eröffnung des Gutshotels war noch lange nicht das BauEnde. Manchmal dachte Conny, dies ist ein Kampf ohne Ende, ein Tunnel ohne Licht. Doch immer wieder gab es tolle Gäste, zaubernde Mitarbeiter, einen phantastischen Coach, kooperative Händler und Geschäftspartner und  vor allem eine wundervolle Familie. Conny liest gerade den Ostereintrag ihrer Stefanie im Gästebuch. Da sitzen die Tränen locker.

Sie erinnert sich gut, daß sie genau in dem Jahr, wenn sie die wenigen ruhigen Minuten mit den kleinen Kindern beim Einschlafen genießen konnte, erstmals Miguel Cervantes gelesen hat. Dieser Eindruck, gegen Windmühlen zu kämpfen, ist fest in ihr verankert und muß bis heute immer wieder überwunden werden. So oft hatte sie in dem und auch noch in den folgenden Jahren Angst, diesen Kampf zu verlieren. Nicht immer konnte der Optimist und Träumer in ihr diese Sorgen vertreiben. Und genauso geht es ihr gerade wieder. Sie nimmt sich den Don Quichotte noch einmal wieder zur Hand in dieser Adventszeit. Doch diesmal will sie nicht gegen Windmühlen kämpfen, sondern vom Schelm lernen. Vielleicht können Dichtung und Wahrheit verschmelzen, kann sie sich kurz in Illusionen verlieren und neu erfinden. Conny ist sehr gespannt, was diese Lektüre in diesen Zeiten bei ihr bewirken kann. Auf alle Fälle wird es für sie ein sehr außergewöhnliches Leseerlebnis.

Doch Euphelia hält noch immer ihr Federfingerchen zwischen den Seiten mit diesem Bild fest. Das ist sehr interessant, sie spürt es, wenn sie in die Augen von Conny schaut. Conny blättert in diesen Seiten und erzählt ihr von den Sommerwochen in 1999. Der Film „Das Schloß meines Vaters“ wurde im nahen Schloß Bellin gedreht. Bei Conny im Gutshotel übernachtete nicht nur der Drehstab, sondern hier wohnten und aßen auch die Schauspieler. Conny kennt noch alle Geschichten, weiß noch genau, wer in welchem Zimmer residierte und mit welchen Besonderheiten sie wen verwöhnen durfte. Da war Jürgen Heinrich, der nach Drehschluß mit den Kindern Schnatterinchen und Pittiplatsch am Tresen spielte. Da kam Lissy Tempelhof, die als Ideengeberin den ersten Talk im Bücherhotel inszenierte. Günter Naumann verkaufte ihr die großen Wandteller, die bis heute im Gastraum im Gewölbe hängen. Günter Schubert bekam sein eigenes Plüschtier, damit er sich mit den Kindern darüber unterhalten konnte. Heikko Deutschmann wohnte hier, Julia Jäger und viele mehr. Was für eine erste große Bewährungsprobe! Bestanden! Jetzt versteht Euphelia: 1999 war wirklich ein spannendes Jahr für Conny und es endete mit einem ersten großen Silvester in das neue Jahrtausend hinein. Seit diesem Jahr sind die Silvester mit Conny besondere Rituale. Genau das wird ihr durch den Kopf gehen, wenn sie am 31.12. sehr gedankenverloren am Lagerfeuer steht.

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