Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 11. Oktober

Euphelia kommt sich vor wie eine große, starke, breite, schwere Schneeschaufel. Dabei ist sie eine zarte, emotionale, leichte Eulenfeder. Sie ist doch die Hausschreibfeder. Euphelia hat ein wunderschönes Füßlein in einem kleinen silbernen Stiefelchen, liebt mondstaubviolett und beobachtet sehr intellektuell von ihrem Posten auf dem Schreibtisch im Foyer aus das Treiben zwischen den Büchern und den Lesewesen. Doch in den letzten Wochen brauchte Euphelia starke Nerven und Muskeln. Immer wieder mußte sie fest an der Seite von Conny und der Gutshotelfamilie Zweifel, Ängste und Unsicherheiten beiseite schieben.

Die Insel Literaturien versucht mit aller Kraft ihren Gästen einen Urlaub zu gestalten, der das Draußen wenigstens für ein paar Tage vergessen läßt. Das geht im Hintergrund nur mit handfestem Tun, mit Anpacken, Zulassen, Abwägen, mit Zweifeln und dann wieder mit Selbstbewußtsein, mit Zusammenhalt, Einsicht und mit Bedacht. Und vor allem mit einer großen Liebe und Hingabe an diesen auserwählten Ort und seine Lesewesen. Den Gästen ein Lächeln in das Gesicht und Wärme ins Herz zu zaubern, das ist die wundervolle Aufgabe, der sich die gesamte Gutshotelfamilie verschrieben hat.

In Büchern wohnt Hoffnung. Sie fordern uns heraus und die besonderen begeistern uns sogar. In manchen realen Lebenssituationen muß Conny ganz hinten um die Ecke schauen, um die Hoffnung zu sehen. Sie muß tief in der Kiste der Möglichkeiten buddeln, um die Herausforderungen zu bewältigen und sich dem Abenteuer Leben voller Begeisterung zu stellen, denn halbe Kraft kann sie einfach nicht.

Verläßlich und konstant ist gerade der Wandel. Steht Conny am Morgen auf, ist sie gespannt, was der neue Tag wohl bringen mag. Früher gab es Buchungslisten für das Hotel. Heute gibt es das Radio am Morgen, Postleitzahlen, Anrufe und vieldiskutierte Entscheidungen. Auch eine Art von Abenteuer, denkt Conny manchmal. Sie mag spannend.

Früher gab es mehr Sicherheit, Beständigkeit … Wenn Conny sich diesen Satz so durchliest – boh, was für ein Quatsch. Wer hoch steigen will, muß es gegen den Wind tun. Gerade in den letzten Tagen hat sie mit Gästen gemeinsam in den alten Fotoalben geblättert. Da lagen sie ganz offen vor ihr – die Jahre voller Unsicherheit, voller Unwissenheit und Unbeständigkeit – na also, sie kennt es doch, sie kann es doch. Da war schon früher oft ein steife Briese von vorne. Steigen war Pflicht, um auf Flughöhe zu kommen. Doch zum Glück verliert Conny nur ganz, ganz selten ihre Unbeschwertheit, denn die ist die wichtigste Medizin für alle hier im Bücherhotel. Lachen, knuddeln, die Nähe, Conny – das Kind – mitten drin. So gehört es sich hier eigentlich. Sie sagt nicht, daß es immer leicht war, daß sie nie zweifelte, ob sie gerade die richtige Rolle als Hauptrolle gewählt hat. Viele Texte waren zu lernen als Mama, Gastgeberin, Geliebte, Ehefrau, Tochter, Unternehmerin, Chefin, …  Sie glaubt bis heute nicht, daß sie immer alles gut gemacht hat, wenn inmitten von Veränderungen der Kurs gewechselt werden mußte.

Doch die Unbeschwertheit hält sie in Flughöhe.

Läuft gerade voll doof da draußen? Na, dann laß uns erst recht ein Bild malen von der Zeit danach. Da ist wieder diese unbeirrbare Neugier auf Möglichkeiten. Geht nicht – gibt’s nicht. Wenn es so nicht geht, laß es uns anders machen – aber machen. Mit Torsten, Maxi und der Gutshotelfamilie hat sie voll und ganz die richten Gefährten an ihrer Seite. Spannend und Spaß haben – fast ein Mantra für alle, die Conny näher kennen.  

Euphelia hat gemerkt, wie Conny sich im September hinein steigerte in diese Angst vor dem lichtlosen Tunnelende, in diesen Frust, nicht selbst entscheiden zu können, sondern den Nachrichten glauben zu müssen. Wie diese ständige Frage nach dem Warum sie förmlich lähmte. Kein Wunder, daß Euphelia nicht mal einen Tropfen mondstaubviolett ziehen konnte, denn Conny hatte mal wieder die Luft angehalten. Doch, so wie der Spätsommer sich als fünfte Jahreszeit verabschiedet und die Bühne dem Herbst überlassen hat, so klar werden auch die Gedanken in Connys Kopf. Endlich nutzt sie die Chance der Veränderung in den Abläufen des Hotels, um selbst Neues zu lernen. Zum Beispiel pflegt sie eine enge Freundschaft zu Edoard und Edelgard (gut gefütterte Sauerteige aus Roggen und Weizen).

Irgendwie, so denkt Conny, hat sie doch was verpaßt, wenn sie aus dieser einmaligen Zeit, die es vorher noch nie in der Geschichte gab, als die gleiche Person auftaucht, nur älter. Dieses Jahr gibt ihr die große Chance, neu zu reflektieren, was wirklich wichtig ist in ihrem Leben. Dabei ist es so interessant zu spüren, daß es immer wieder die verrückten Träume und Ziele genau hier in Groß Breesen sind, die Conny antreiben. IHR Ort. Wenn sie mit ihrem Torsten gemeinsam den Gästen bei den Hausführungen ihre Kleinode zeigt, wenn sie bis zum Wagon in Eulenhausen kommen und sie diesen Literaturpark schon angelegt und blühend vor sich sieht, dann ist das die Energie eines Kraftwerkes. Keiner soll diese Insel Literaturien unverändert verlassen. Sie möchte Kraft und Licht und Optimismus ihren Gästen mit nach Hause geben, ein Lächeln für die Hosentasche. Sie möchte ihre Vision mit ihnen teilen, damit der Funke überspringt auf die Freunde, die mit dieser Magie lässiger und fröhlicher ihren Alltag leben können. Natürlich auch mit einer Sehnsucht, bald wieder in Groß Breesen anzukommen, um einen Kanister Frohsinn zu tanken. Da erscheint wieder so ein Bild, wie lustig. Conny als Tankwart – das kann sie sich total gut vorstellen. Wieviel Liter neue Ideen sollen es sein? Super oder normal? Scheiben wischen bis zur Klarsicht? Ha, und gaaanz wichtig: Modell völlig egal, Kleinwagen oder großspurig, hier bekommt jeder etwas mit für die weitere Reise.

„Es ist etwas Besonderes um Menschen, die am gedruckten Wort Interesse haben. Sie sind eine eigene Spezies: kundig, freundlich, wißbegierig – einfach menschlich.“ Nathan Pine

Übrigens brachten Ramona und Peter eine kleine Schallplatte mit, eine Hymne sozusagen auf den Wagon („Monsieur Dupont“ von Manuela), die sehr dazu beitrug, daß Connys Gehirnwindungen Fahrt aufgenommen haben. Euphelia glaubt, da kommt noch ein Zug ins Rollen in der nächsten Zeit. Monsieur Torsten, halt lieber den Wagon fest!

Gute Fahrt in die nächste Woche!!!!

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