Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 17. März

Eintrag in das Buddelbuch 17. März

„Faust! Faust!“ Was ein lautes Rufen werden sollte, wurde ein winziges Zirpen. Ein Zittern ging durch ihre Feder vom Fuß bis zur Spitze. „Faust!“ flüsterte sie noch einmal mit sehr schwacher Stimme.

Euphelia erwachte, noch immer etwas benommen. Ganz, ganz langsam versuchte sie, sich zu erheben. Sie ruckelte und zuckelte, zwar schwach, doch es reichte, um mit Freude zu bemerken, daß ihr kleiner angekokelter Freund Faust noch immer schräg gegenüber in der Glasvitrine an seinem Platz zwischen den Fotobüchern stand.

Es war ruhig um sie herum, total ruhig. Was war das? Obwohl Sonnenstrahlen ihre Federnase kitzelten, gab es keinen Laut um sie herum. Kein Lachen drang an ihr Ohr, kein Rascheln von umgeblätterten Seiten. Hatte sie gar nicht geträumt? Gab es wirklich dieses Schlüsselgerassel am hellichten Tag? Sie schaute zu ihrem Freund Faust hinüber. Er sah traurig aus, ganz in sich gerollt.

„Faust“, flüsterte Euphelia ängstlich in die Stille hinein, „was ist passiert?“

„Sie sitzen draußen am Feuer.“

„Wieso? Die Sonne scheint! Was ist passiert?“

„Sie wärmen ihr Herz. Sie trocknen die Tränen. Sie schauen schweigend in die Flammen und suchen nach Hoffnung und Ideen.“

„Faust! Was ist passiert? Was habe ich verschlafen? So viele schöne Gedanken sind mit mir in den letzten Tagen und Wochen in das große Buch geschrieben worden, daß ich wohlig erschöpft eingeschlafen bin. Sag, was ist los?“

„Ach, Euphelia, es ist schrecklich. Die letzten Gäste reisten heute ab. Danach verschloß Torsten alle Eingangstüren. Unsere beiden Hausherren saßen mit ihren Kindern Maxi und Charly gemeinsam im Büro und konnten es nicht begreifen. Wie unter Schock verfolgten sie die Flut der Mails mit den Stornierungen, folgten sie der Aufforderung, ihr Hotel und das Restaurant auf unbestimmte Zeit zu schließen, letztlich auch als Maßnahme, sich selbst und die Mitarbeiter zu schützen.

So saßen sie einfach beisammen, schweigend, fragend, angegriffen von einem Feind, dem sie nicht in die Augen schauen können. Hilflos, weil keiner die Länge des Tunnels kennt, an dessen Ende das Licht steht. Getröstet, weil sie gemeinsam und vereint in diesen ungewohnten Kampf ziehen.

Wenig später zündeten alle vier unter der strahlenden Sonne ein Feuer im Gutspark an. Mit jedem Holzscheit warfen sie einen ihrer Zweifel und Ängste ins Feuer. Als die Flammen ihren lodernden Tanz begannen, spürten sie, wie ein Zipfelchen Mut, ein Fünkchen Zuversicht ganz in ihnen zu wachsen begann.“

Faust seufzte nach dieser langen Erzählung. Euphelia war sehr ergriffen.

Eine Erkenntnis, sonnenklar, straffte ihr Federkleid.

Euphelia wird Geschichten schreiben über die Erlebnisse, die Tage wie diese lebenswert machen. Wenn der Schock ihre Hausherren nicht mehr lähmt, wenn die Gedanken wieder klarer sind, wenn das Vorgehen für die nächsten Tage einem Plan gleicht, werden Conny und Torsten mit ihren Kindern nicht nur ihre große Gutshotel-Familie, sondern auch ihren Freunden und Gästen wieder Ideen für das „Abenteuer Leben“ mitteilen, werden sie Feenstaub des Lächelns auf die Gesichter zaubern, werden sie Zuversicht, Mut und Gelassenheit mit den Menschen teilen, die ihnen nahe sind.

Euphelia, als Hausschreibfeder der Insel Literaturien, ist plötzlich hellwach.

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1 Antwort zu Eintrag in das Buddelbuch – Euphelia am 17. März

  1. Der kleine Faust sagt:

    Nicht traurig sein, mein geliebtes Euphelchen. Wie es schon in „Macbeth“ heißt:

    Fasst frischen Mut; so lang ist keine Nacht,
    Dass endlich nicht der helle Morgen lacht.

    In diesem Sinne gedenk ich Dein,

    Dein Faust

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